Schön, gelassen und gesund mit Zink

Der Schlüssel zu einem gesunden Stoffwechsel

Mit dem Spurenelement Zink verbindet der Pferdehalter glänzendes Fell, gute Hufe und ein gesundes Immunsystem. Mit Recht, denn Zink ist ein Schlüsselelement, das in viele Stoffwechselprozesse des Körpers eingreift.

Bei der Entstehung des Lebens beteiligt

Tatsächlich ist dieser Mikronährstoff, von dem man im ausgewachsenen Pferdekörper nur 12 bis 15 Gramm findet, vorwiegend in der Haut, dem Fell, den Augen, der Leber und Bauchspeicheldrüse sowie Hoden und Sperma lokalisiert.

Als Bestandteil von circa 230 Enzymen steuert Zink viele lebensnotwendige Stoffwechselvorgänge. Bereits vor der Zeugung von Leben kommt Zink eine große Bedeutung zu. Das Spurenelement ist für die Bildung von körpereigenen Hormonen (zum Beispiel Geschlechtshormonen), für die Samenreifung beim Hengst und für die Einnistung des befruchteten Eies in die Gebärmutterschleimhaut der Stute unentbehrlich.

Aber nicht nur für die Fruchtbarkeit, sondern auch für das anschließende Wachstum ist Zink wichtig. So können Lebewesen mit Zinkmangel nicht in ihre genetisch vorbestimmte Größe wachsen und bleiben ab einem gewissen Alter (Menschen 21 Jahre, Pferde 7 Jahre) für immer klein. Zink ist vonnöten für die Ausbildung der Wachstumshormone, das Längenwachstum des Knochens und für die allgemeine Zellneubildung.

Dazu zählt auch die Neubildung von Haar- und Haut- und Hornzellen, da Zink die Bildung von Keratin, der Eiweißverbindung, aus der Haar und Hufhorn bestehen, befördert.

Zink für ein funktionierendes Immunsystem

FohlenwarzenZink ist beteiligt an der Produktion von Immunabwehrzellen, die im Blut und der Lymphe krankmachende Erreger wie Bakterien, Viren und Pilze in Schach halten. Als ein bedeutender Faktor für die Kräftigung der körperlichen Immunabwehr ist es u.a. für die Bildung der T-Lymphozyten in der Thymusdrüse verantwortlich. Aber auch der Aufbau und die Regeneration der Schleimhäute ist von Zink abhängig. Dazu zählen neben der Lungen- und Darm- auch die Gebärmutterschleimhaut. Typisch für den Zinkmangel bei Fohlen und Jungpferden sind die "Fohlenwarzen", die mit einer Gabe eines hochwertigen Zinkpräparats schnell verschwinden.

Gute Sicht mit Zink

Ein Mangel an Zink kann sich in einer Sehschwäche äußern. Fohlen werden blind oder ohne Augen geboren. Auch bei der Periodischen Augenentzündung ist an eine Zinkzufuhr zu denken. Selbst die Verstoffwechselung von Vitamin A, dem „Sehvitamin“ ist zinkabhängig, so dass die alleinige Zufuhr von ß-Carotin für besseres Sehen oder die Fruchtbarkeit nur begrenzten Sinn macht. Schreckhafte, „geistersehende“ Pferde sollten also weniger gestraft, sondern erst mal besser gefüttert werden, möglicherweise ändert sich dadurch nicht nur die Sehkraft sondern auch das Nervenkostüm, denn ein Zinkmangel macht hippelig, unkonzentriert und nervös. Er kann beim Menschen zu Schizophrenie führen.

Wie viel Zink braucht ein Pferd täglich?

Laut offizieller Angaben wurde der Zinkbedarf mit 35 bis sogar 40mg Milligramm pro Kilogramm Trockenmasse festgelegt. Frisst ein 600 Kilogramm schweres Pferd in Arbeit täglich sieben Kilogramm Heu und vier Kilogramm Hafer, so beträgt die Trockenmasssaufnahme zehn Kilogramm am Tag, der Bedarf für Zink läge also bei 350 Milligramm pro Tag. Mit einer vermehrten Aufnahme von Futter, zum Beispiel Heu, steigt der Bedarf an Zink. Hochtragende Zuchtstuten haben eine Bedarf von 680 Milligramm am Tag (90 Milligramm je 100 Kilogramm Lebensmasse). Allerdings muss dazu gesagt werden, dass diese Werte sehr niedrig angesetzt sind und nicht geeignet, den Bedarf in Stress-Situationen oder bei Krankheit zu decken. Ganz besonders gilt dies, wenn die Futterqualität nicht optimal ist und  hohe Anflutungen an körperfremden Substanzen (Medikamente, Giftstoffe, Aromastoffe etc.) Leber und Darm belasten. Hier leistet das Spurenelement Zink im Rahmen von verschiedenen Entgiftungsprozessen gerade beim Pferd große Arbeit. Der Zinkbedarf ist also auch zusätzlich abhängig von der Qualität der Fütterung. Leider lässt sich diese Zinkmenge noch nicht in Zahlen fassen.

Wie wird der Zinkbedarf gedeckt?

AraberhengstAusgehend von einer Heu- bzw. Weidefütterung kann von einer Trockensubstanzaufnahme von 1,2 Kilogramm Heu bzw. Weidegras pro 100 Kilogramm Körpermasse ausgegangen werden. Der Gehalt an Zink im Heu betrug in den 70iger Jahren noch etwa 28 Milligramm pro Kilogramm, heute jedoch sind Werte über 22 Milligramm pro Kilogramm Trockenmasse Heu eher üblich.

Das heißt, dass ein 600 Kilogramm schweres Pferd den Zinkbedarf mit Heu alleine nicht decken kann. Das ist problematisch, da die Heufütterung derzeit sehr beliebt ist und immer weniger Hafer (Getreide mit dem höchsten Zinkgehalt, etwa 35 Milligramm pro Kilogramm Trockenmasse) gefüttert wird. Gerste und Mais enthalten nur rund 30 Milligramm pro Kilogramm. Aber wer füttert seinem Pferd mehr als drei Kilogramm Hafer pro Tag?

Handelsübliche Müsli- oder Pelletfutter verfügen nur selten Zinkgehalte über 120 Milligramm pro Kilo und dienen nur dazu, den Mindestbedarf an Zink zu decken. Zu erwähnen bleibt, dass die Verfügbarkeit von Zink aus pflanzlicher Nahrung begrenzt ist und nicht selten an unlösliche Phytate gebunden ist. Anorganische Verbindungen stören die Zinkresorption.

Stress frisst Zink

Stress ist ein wahrer Zink-Killer. Stress entsteht bei Pferden während der Ausbildung, in Wettkampfsituationen, aber auch durch falschen Umgang. Körpereigenes Cortison wird ausgeschüttet, das als natürlicher Gegenspieler zu Zink betrachtet wird. Zink geht weiterhin über den Schweiß, über Blut und über Wundwasser verloren (Operationen, Geburten, starker Mückenbefall).

Der Zinkmangel zeigt sich deutlich

Zinkmangelsymptome treten vorzugsweise in Zeiten des Fellwechsels auf. Der Zinkmangel äußert sich dabei höchst individuell. Klassische Zinkmangelsymptome sind Haut- und Haarprobleme, beginnend mit mattem Haarkleid (bei Rappen oft in Form von Schuppenbildung zu erkennen), Schweifjucken, bis hin zum Sommerekzem. Typisch für den Zinkmangel ist vor allem der Juckreiz. Im Bereich des Horns treten Huffäule und Hufwachstumsstörungen auf. Der Zinkmangel äußert sich ebenso in Form von Infektanfälligkeit, Abmagerung und Appetitlosigkeit, sowie schlechter Wundheilung. Sich wiederholende Erkältungskrankheiten und Mauke können ebenfalls auf ein Zinkdefizit hinweisen. Dazu gehören ebenso Viruserkrankungen (z.B. auch Herpes, Warzenbildung). Auch die Unfruchtbarkeit bei Hengsten (zu geringe Samenqualität und -dichte) kann u.a. mit einem Zinkmangel in Verbindung gebracht werden.

Im Zinkmangel werden nicht nur spezifisch die Gehalte an Zink in den Geweben beeinflußt, sondern auch die Konzentrationen und teilweise Gehalte anderer Spurenelemente, so daß die für Zink typischen extremen Mangelsymptome nicht nur durch Fehlen von Zink selbst, sondern auch durch die veränderten Gewebekonzentrationen anderer Elemente hervorgerufen werden könnten (H.-P. Roth, M.Kirchgessner, 1977).

Erhöhter Zinkbedarf und Zinkverluste

Ein erhöhter Bedarf an Zink ist in Zeiten des Haarwechsels festzustellen, in Stresssituationen und durch Transporte, sowie bei Infektionskrankheiten und Eiweiß- und Getreideüberfütterung.

Eine beachtliche Zinkzufuhr ist nötig in der Zeit der Trächtigkeit und Laktation. Dabei nimmt sich das ungeborene Fohlen Zink aus den Zinkreserven der Stute. Zu hohe Zinkgaben im Vergleich zu Mangan und Kupfer im letzten Trächtigkeitsdrittel lassen die Fohlen oft zu groß wachsen. Daher ist die Zinkfütterung vorwiegend in der frühen Trächtigkeit zu beachten, die Verhältnismäßigkeit unter den Spurenelementen muss beachtet werden. Wird die Stute in der Laktation mit hohen Zinkdosen gefüttert, wird Zink im Gegensatz zu Mangan, Kupfer oder Eisen dem Fohlen durch die Milch sofort weitergegeben. So können immunlabile Saugfohlen über die mit Zink gefütterte Mutter durch die Muttermilch gezielt stabilisiert werden.

Durch Hautverletzungen, Geschwüre und Operationen werden große Mengen an Zink durch das Blut und Blutserum (z.B. Wundwasser) ausgeschwemmt.

Fellwechsel, starker Juckreiz bei Sommerekzem und schlecht heilende Wunden sind nur einige Gründe, um mit Zinkpräparaten rasch Zinkdefizite auszugleichen. Zur grundsätzlichen Zinkversorgung sollte ein entsprechendes Mineralstoffpräparat gewählt werden, um langfristig keine Ungleichgewichte im Bereich der Spurenelementzufuhr zu erzeugen.

Hochwertige Zinkchelate sichern die Aufnahme ins Gewebe

Je größer der Zinkmangel, desto leichter ist es, jenen unabhängig von der Bindungsform des Zinks auszugleichen. Je subtiler jedoch der Zinkmangel wird, desto mehr spielt die chemische Verbindung, in der das Zink gebunden wird, eine Rolle. Selbst das Umfeld, innerhalb dessen eine Zinkverbindung angeboten wird, scheint einen Einfluss auf die Bioverfügbarkeit zu haben. Diese Umstände werden deutlich, wenn ein Pferd zwar rein rechnerisch hohe Mengen Zink durch Ergänzungsfutter und Mineralfutter zugeführt bekommt, aber dennoch rein optisch ein Zinkmangel besteht.

Dabei zählen die preislich günstigen Verbindungen Zinkoxid und Zinksulfat zu den am schlechtesten resorbierbaren Verbindungen. Sie gelangen zwar durchaus ins Blut, ob sie jedoch ebenso ins Gewebe aufgenommen werden ist fraglich. Zudem können große Mengen von Zinksulfat die Verdauung (Übelkeit, Durchfall) beeinträchtigen. Besser verfügbar sind Zinkglukonat und Zinkchelat. Aber selbst bei den Zink- Aminosäure-Chelaten sind große qualitative Unterschiede möglich. Hier spielt vor allem die ph-Beständigkeit im Verdauungstrakt eine große Rolle. Das heißt, die Verbindung sollte bis in die Zellen stabil bleiben, unabhängig vom sauren Magen bis in den basischen Dünndarm. Solche Verbindungen sind zwar wesentlich teuer, die Wirkung ist jedoch gesichert. Unterstützend bei der Resorption ist dabei der Trägerstoff.

Gefahr durch zu hohe Zinkgaben?

Je hochwertiger die Zinkverbindung ist, desto schneller kann auch mit einer kleineren Dosierung ein Mangel ausgeglichen werden. Ein weiterer Vorteil qualitätvoller Zink- Aminosäure-Chelate ist, dass so Verdrängungsreaktionen, insbesondere die Verschiebung des Zink/Mangan-Verhältnisses in Grenzen gehalten werden können. Im Gegensatz dazu kann es durch die Zufütterung hoher Zinkmengen zu einer Störung des Mineralstoffgleichgewichts kommen. Die Gabe von Zinkpräparaten kann durchgängig erfolgen, wenn die Grundmineralisierung gesichert ist. Eine kurmäßige Zinkzufütterung von 4 bis 8 Wochen ist unproblematisch und erfolgt im Allgemeinen im Fellwechsel, nach Operationen, Blutverlusten und zur Verbesserung der Wundheilung.

Zinkversorgung sichern

Dr. Susanne Weyrauch - Wiegand 2012 überarbeitet 2016©

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