Fesselträger sind gefährdet

Fesselträgerschäden

Bessere Heilung durch richtige Fütterung

Die Diagnose Sehnen-, insbesondere Fesselträgerschaden gilt als das Schreckgespenst unter den Pferdehaltern. Dass für den Heilungsverlauf spezifische Nährstoffe in ausreichender, ja großzügig vorhandener Form vorliegen müssen ist weder Tierärzten noch Heilpraktikern ausreichend bekannt. Durch die genauere Betrachtung des betroffenen Gewebes wird klar, dass hier Regeneration und Heilung durch spezielle Nährstoffmängel nicht nur gebremst sondern auch verhindert werden.

Offensichtlich ist sich die Wissenschaft noch nicht ganz einig darüber, ob der Fesselträger nun ein Muskel oder eher ein Band ist. Beim jungen Pferd enthält der Fesselträger vereinzelt Muskelfasern. Erst mit dem Alter, der Belastung und abhängig vom der Rasse bzw. dem Blutanteil wird er zur Sehne und enthält weniger bis keine Muskelfasern mehr. Der Anteil an Muskelfasern ist besonders hoch bei Vollblütern und Ponys. Die wenigsten Muskelfasern findet man bei trainierten Warmblütern. Je höher der Anteil an Muskelfasern ist, desto eher kommt es zu einer Schädigung des Fesselträgers, der in seiner Struktur eine passive Stehvorrichtung darstellt um ein ermüdungsfreies Stehen bei ständiger Fluchtbereitschaft zu bieten (Lutz, R.; Dissertation; Leipzig, 2011).

 

Heilungserfolge durch Nährstoffmängel gebremst

Dass Sehnen- bzw. Fesselträgerschäden im Vergleich zu Wunden oder Verletzungen extrem langsam abheilen bzw. teilweise als unheilbar gelten ist hochbekannt. Das liegt einer-
seits an dem Aufbau des fascialen Gewebes und andererseits an der mangelhaften Ernährungssituation unserer heutigen Pferde in Bezug auf hochqualitative, nicht energieliefernde Nährstoffe (Mikronährstoffe, Antioxidantien, Sekundäre Pflanzenstoffe).


Zu deutsch: der tägliche Nährstoffbedarf wird durch die tägliche Nährstoffaufnahme nicht täglich gedeckt. Die Ernährung ist sozusagen nicht bilanziert. Das trifft häufig auf junge Pferde, Sportpferde oder Kleinpferderassen im Fall von Sehnenproblemen zu.

 

Die Histologie (Wissenschaft vom biologischen Gewebe) gibt uns Aufschluss über die Entwicklungsprozesse im Sehnengewebe und die Ernährung desselben. Dass es sich hier um ein durchblutungs- und zellarmes Gewebe handelt, in dem wenige Zellen in eine Extrazelluläre Matrix eingebettet sind, weiß man bereits vom Gelenksknorpel, von dem man auch lange davon ausging, er könne sich nicht regenerieren.


Sehnen bestehen auch nur aus Wasser

Sehnen und Bänder bestehen überwiegend aus extrazellulärer Matrix sowie aus Sehnenzellen (Tenozyten). Der Anteil dieser Zellen ist sehr gering und ähnlich den Gelenkszellen verändert sich die Sehnenzellen (Tenozyten) im Lauf des Alterns. Die Vorläufer der Sehnenzellen sind die Fibroblasten, die einen wichtige Rolle bei der Heilung spielen, da sie Kollagen und in ihren Membranen (Zellwänden) den Baustein für Hyaluronsäure bilden. Die Extrazelluläre Matrix besteht wie auch im Knorpel größtenteils aus Wasser. Die weiteren Bestandteile sind die sogenannte Grundsubstanz aus Eiweiß-Zucker-Verbindungen (Proteoglycanen), die eine herausragende Stellung im Stoffwechsel der Sehne einnehmen. Sie verfügen nicht nur über ein gewaltiges Wasserbindungsvermögen, sondern sind das Bindeglied zwischen Hyaluronsäure (reine Zuckermoleküle) und Kollagen (Eiweißmoleküle).

 

Der dritte Hauptbestandteil der Extrazellulären Matrix sind die fasrigen Anteile in Form von  Elastin und Kollagen. Im Sehnengewebe ist hauptsächlich das für Form und Festigkeit verantwortliche Kollagen vom sogenannten Typ I zu finden, das sich aus kleinsten Fasern aufbaut, die sich dann über sogenannte Schwefelbrücken zu Bündeln anordnen. Dadurch entsteht eine parallele Ausrichtung, die man so nicht in Bändern oder Knorpeln findet. Bänder und Knorpel erlauben im Vergleich zur Sehne eine mehrdimensionale Beweglichkeit (Lutz, R.; Dissertation; Leipzig, 2011).


Wie baut man ein Haus ohne Bausteine?

Wie man es schon lange vom Knochenstoffwechsel kennt, unterliegt auch das Sehnen- und Bändergewebe einem ständigen Auf- und Abbau. Dabei arbeiten Enzyme, in diesem Fall zinkabhängige Matrix-Metalloproteinasen  (MMPs) am Ab- und Umbau der Extrazellulären Matrix und werden von Gewebs-Inhibitoren (TIMPs) reguliert (Lutz, R.; Dissertation Leipzig, 2011).

 

Der Aufbau der Proteoglycane und der Hyaluronsäure wird von manganabhängigen Glycosyltransferasen ermöglicht. Diese Enzyme, von denen über 100 verschiedene bereits nachgewiesen wurden, übertragen Zucker und sind so in der Lage, Eiweiß-Zucker-Verbindungen (Glykoproteine) aufzubauen. Als besonders bedeutend gilt die Xylosyltransferase, die vorwiegend mangan- aber auch magnesiumabhängig arbeitet. Neben diesem Schlüsselenzym folgt die Galactosyltransferase, die im nächsten Schritt am Aufbau der Proteoglykane beteiligt ist (Kuhn, J.; Dissertation, Bielefeld, 2000). Auch die Galactosyltransferase ist hoch manganabhängig (Lawrence J. Berliner, Shan S. Wong; Biochemistry, 1975, 14 (22), pp 4977–4982).

 

Das kupferabhängige Metalloenzym Lysyloxidase ist für die Vernetzung von Elastin sowie Kollagen notwendig (Smith-Mungo LI, Kagan HM; Matrix Biol. 1998 Feb;16(7):387-98). Dabei scheint offensichtlich peptidgebundenes Kupfer (eventuell auch als Kupferchelat) die Kollagensynthese mehr anzuregen als Vitamin C.

 

Eisen hingegen wirkt eher kontraproduktiv durch seine oxidative Wirkung. Antioxidative Nährstoffe verbessern nicht nur die Lebensfähigkeit der Fibroblasten und deren Aktivität, die Extrazelluläre Matrix aufzubauen, sondern transportieren auch schädliches Eisen aus dem Medium. Desweiteren sind Kupfer, Zink und Mangan Cofaktoren für die Superoxiddismutase, die eine wichtige antioxidative Wirkung im Rahmen der mitochondrialen Entgiftung und Energiegewinnung spielt. Eine stark antioxidative Wirkung entfalten auch Sekundären Pflanzenstoffe aus Kräutern.

 

Offensichtlich ist eine Unterstützung der Bildung von Hyaluronsäure im Rahmen des Heilungsprozesses besser als eine zu schnelle Kollagenbildung, da letztere Vernarbungen unterstützt (H.-D. Hoppe, R. Lobmann; Hyaluronsäure – Ihre Bedeutung für die Wundheilung, 2002).


Forschungen an neuen Heilmethoden leider komplett ohne Ernährungsbezug

Untersuchungen neuer Therapieformen wie Stoßwelle, Injektionen mit körperfremden und körpereigenen Stoffen wie Hyaluron, ACell (extrazelluläre Matrix aus der Harnblase von Schweinen), autologem Knochenmark, mit Thrombozyten angereichertem Plasma (PRP) bis hin zu in vitro angezüchteten Stammzellen aus autologem Fettgewebe und Knochenmark wurden ohne die Berücksichtigung des Nährstoffstatus des Pferdes in Bezug auf die oben angesprochenen Nährstoffe als Cofaktoren für die enzymatische Tätigkeit erhoben.

 

Der Pferdebesitzer, der sein Pferd vom Tierarzt untersuchen lässt, bekommt mit Sicherheit eine erstklassige Diagnose, ob durch Palpation, Sonographie oder Szintigraphie. Anschließend wird ihm die erschütternde Tragweite der Erkrankung und der damit verbundene Krankheitsverlauf inklusive der oft sehr schlechten Prognosen des Fesselträgerschadens erklärt. Die Behandlungen sind oft sehr teuer.


Nährstoffstatus des Pferdes in die Heilungsprognose einbinden

Vorbildlich wäre eine gründlich Anamnese bezüglich des Nährstoffstatus des Pferdes. Dieser kann durch drei Methoden ermittelt werden. Zum einen wäre da die Blutuntersuchung, die jedoch nur dann aussagekräftig ist, wenn mindestens fünf Tage lang keine Extramineralisierung in Form von Müsli, Mineralfutter & Co. erfolgt ist.

 

Aufgrund der Homöostase ist auf dem Blutbild ein Mangel erst sehr spät ersichtlich. Die Haarmineral-Analyse ist ein moderneres Verfahren bei dem jedoch auf korrekte Referenzwerte zu achten ist. Ein sicheres Verfahren ist die klassische Futtermittelberechnung. Zugesetzte anorganische Nährstoffzufuhr sollten dabei anders bewertet werden als organische Nährstoffe. Aber nicht nur ein fütterungsbedingter Mangel führt zu einem schlechten Nährstoffstatus sondern ebenso ein in der Vergangenheit entstandener - nicht gedeckter - erhöhter Nährstoffbedarf.

 

Dazu wäre erforderlich, die pferdeeigene Historie aufzuklären. Stress, Turnier-, Renneinsatz,  zu frühes Einreiten sowie Fohlengeburten erhöhen den Bedarf an bestimmten Nährstoffen.

 

Dies betrifft vor allem Magnesium zur allgemeinen Entspannung der Muskulatur und der daran angesetzten Sehnen sowie Mangan und Selen. Mangan ist aus dreierlei Gründen wichtig. Als unentbehrlicher Cofaktor der Proteoglykansynthese, der Muskelentspannung und zur Reaktion auf oxidative und entzündliche Prozesse. Erfahrungsgemäß wird neben einem hohen Verbrauch an Mangan auch Kupfer und Zink in Mitleidenschaft gezogen. Im Allgemeinen werden gerade diese Nährstoffe in zu geringer Menge über das Grundfutter zugeführt. Zudem kommt ein erhöhter Bedarf durch die entsprechenden Lebensumstände.

 

Aus diesem Grunde wäre es sinnvoll, bei medizinischen Schreckensdiagnosen und entsprechenden Behandlungen den Organismus durch eine bedarfsgerechte und gezielt mangelausgleichende Fütterung zu stärken, um den Heilungsverlauf zu optimieren.

 

Dr. Susanne Weyrauch-Wiegand 2012, überarbeitet im März 2016 ©

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