Stroh- wichtige Komponente einer gesunden Pferdeernährung
Mehr als nur Einstreu
Vor hundert Jahren war Getreidestroh eine wertvolle Futterkomponente, die ganz gezielt in der Pferdefütterung eingesetzt wurde. Heute nimmt man Stroh nur noch als Einstreu wahr und vergisst, dass Stroh eine wichtige und fast unverzichtbare Futterkomponentemehr darstellt.
Ernährungsphysiologisch wertvoll
Getreidestroh hat als Raufutter ernährungsphysiologische Eigenschaften, die seinen Einsatz in der Pferdefütterung sicher rechtfertigen. Es ist arm an Eiweiß und nicht uninteressant für die Energieversorgung. Bei einer Fütterung von drei Kilogramm Haferstroh stehen dem Pferd etwa 16 Megajoule Energie zur Verfügung, die leicht ein Kilogramm Hafer ersetzen können. Stroh verfügt auch über eine durchaus interessante Mineralienzusammensetzung. So ist Haferstroh mit etwa 70 Milligramm Zink eine interessante Zinkquelle. Da der Rohfasergehalt von Stroh sehr hoch ist und ein Großteil aus unverdaulichem Lignin besteht, stehen die Mineralien offensichtlich nur dann dem Pferd zur Verfügung, wenn das Stroh fein gehäckselt ist, was früher bei den Landwirten grundsätzlich praktiziert wurde. Eine übermäßige Strohfütterung kann leider aufgrund des hohen Ligningehalts zu Anschoppungskoliken führen, wenn die Pferde wenig bewegt und beschäftigt werden und über 0,8 Kilogramm Stroh je 100 Kilogramm Körpergewicht aufnehmen.
Stroh ist wie alle verholzten Pflanzenteile reich an nahezu unverdaulichem Lignin, das zur Rohfaser zählt, chemisch gesehen aber kein Kohlenhydrat sondern ein Abkömmling des Phenylpropans ist. Eingelagert in die pflanzliche Zellwand bewirkt es die Verholzung (Lignifizierung). Da Lignin unempfindlich gegenüber starken Säuren und gegenüber bakterieller Zersetzung ist, dient es auch dem Schutz der Pflanze und verleiht ihr Stabilität. Stroh ist das ligninreichste Pferdefutter. Es wird diskutiert, ob Lignin eine darmschützende Wirkung hat.
Stroh muss geerntet werden
Leider wird Stroh in der heutigen industriell geprägten Landwirtschaft, die bei der Getreideproduktion mit Herbiziden und Halmverkürzern arbeitet, als wertloses Abfallprodukt behandelt und oft zu lange nach der Getreideernte auf dem Feld belassen. Bodenfeuchte, Verunreinigungen und zu starke Pressung machen aus einem vollwertigen Produkt eine Abfalleinstreu.
Vor 50 Jahren war Stroh als Futtermittel in der gesamten Landwirtschaft nicht wegzudenken. Gehäckselte Rohfaserprodukte wie Heu und Stroh, auch im Gemisch mit Rüben oder Hafer waren Beiträge zu einer gesunden und schmackhaften Pferdeernährung. Diese Fütterung kam den spezifischen Anforderungen des Pferdes in Bezug auf die Mikroorganismentätigkeit im Dickdarm entgegen. Den gefürchteten Dickdarmübersäuerungen, die heute als Auslöser für Hufrehe betrachtet werden, wurde dadurch vorgebeugt. Viel Handarbeit oder schonende Maschinenarbeit beim Wenden des Strohs ergab sehr hochwertige Strohqualitäten. Insbesondere das siliziumreiche Haferstroh war ein wichtiges und interessantes Grundfutter.
Eine interessante Beobachtung kann man in Spanien machen. Dort werden im Umkreis von Madrid offensichtlich ohne Nachteile und ohne Zugabe von Heu oder Luzerne große Mengen an Haferstroh gefüttert, die allerdings von höchster Qualität sind. Das goldgelbe Stroh ist nahezu frei von Keimbelastung, es riecht angenehm frisch und strohig und fühlt sich dabei trocken und sperrig an.
Haferstroh als Grundfutter
Stroh eignet sich als Pferdeeinstreu, da Pferde, die in der Natur selten länger als vier Stunden mit dem Fressen innehalten, sich artgerecht aus der Einstreu bedienen können. Dadurch wird ihr immenses Kaubedürfnis befriedigt und Verhaltensstörungen treten seltener auf. Als klassisches Futterstroh gilt Haferstroh. Eine höhere Saugfähigkeit besitzen Gersten- und Weizenstroh. Roggenstroh wird seltener verwendet.
Auf Stroh wird verzichtet, wenn Pferde allergisch reagieren oder wenn das Stroh in minderwertiger Qualität vorliegt. Muffig-staubiges, graues oder klammes Stroh ist für Pferde ungeeignet und kann bei Pferden schnell zu Leber-, Atemwegs- und Darmerkrankungen führen.
Strohernte
Stroh sollte ausreichend auf dem Acker getrocknet und nicht beregnet werden. Ein einmaliges sorgsames Wenden bei hoher Sonneneinstrahlung und das Pressen in lockere 15-Kilo-Ballen würde Stroh zu einem wirklich guten Pferdefutter machen. Die Lagerung unter dem Dach in trockenen, aber luftigen Scheunen ist der Lagerung von Rundballen-Getreidestroh unter Planen im Freiland vorzuziehen.
Die Lagerung von Stroh unter Planen im Freien ist problematisch. Regen, der den Schimmelpilzbefall forciert, Wind, der die Planen fortreist und sich einnistendes Ungeziefer, das mit seinen Exkremente das Stroh kontaminiert, führen auch nach der sauberen Ernte zu Qualitätsminderungen.
Dr. Susanne Weyrauch 2011 ©