Kissing spines und Spinale Ataxie
Mancher mag sich fragen: Was haben wohl diese beiden Erkrankungen gemeinsam und erst recht: Was haben diese beiden Symptome mit der Ernährung zu tun?
Bei der Diagnose Kissing Spines ("küssende Dornfortsätze") leiden die Pferde unter massiven Rückenproblemen. Neben einer Unwilligkeit beim Reiten kann es auch zu Sattelzwang oder Taktunreinheiten kommen. Die Wirbelkörper sind derart zusammengerückt, dass die Wirbelfortsätze aneinanderreiben, was Schmerzen verursacht. Die Knorpelmasse kann im Abbau begriffen sein entweder als eine Ursache für Kissing spines oder aber als Folge dieser Problematik. Röntgenologisch können Skelettveränderungen sichtbar sein.
Neben Frakturen, Blockaden oder arthrotischen Veränderungen können auch massive Verspannungen der Muskulatur die wahre Ursache für Kissing spines bzw. das Zusammenrücken der Wirbelfortsätze sein. Da diese Verpannungen bzw. der damit einhergehende Knorpelabbau ernährungsbedingt sein können, wird mittlerweile diskutiert, ob es sich in einigen Fällen nicht eher um einen Nährstoffmangel handelt. Einen Hinweis auf Muskelverspannungen geben die LDH und CK-Wert im Blut. Erhöhte Werte deuten auf Muskelerkrankungen hin. Die Muskulatur reagiert hervorragend auf allgemein entsäuernde Maßnahmen wie basenbildende Kräuter und Natriumhydrogencarbonat, Magnesium, Vitamin E, Selen oder Mangan.
Bei der Spinalen Ataxie handelt es sich um eine "raumfordernde Veränderung des Wirbelkanals" (Dietz, Huskamp, "Handbuch Pferdepraxis", 1999), zu denen auch u.a. Sponylarthrose und Spondylose zählen. Neben traumatischen Ursachen können Nährstoffimbalancen oder Überfütterung gehören.
Sowohl bei muskulären Verspannungen, als auch bei Knochen- und Knorpeldegenerationen übernehmen bestimmte Mineralstoffe eine Schlüsselfunktion. Hier sind an erster Stelle Magnesium und Mangan zu nennen, die nicht nur reichlich im Knochen gespeichert sind, sondern auch eine wichtige Funktion zur Entspannung der Muskulatur und der körperlichen Entsäuerung leisten. Auch Kupfer und Zink dienen der Knochen- und Bindegewebsregeneration und dem Aufbau einer funktionsfähigen Knochenmatrix, ohne die eine Calciumeinlagerung nicht möglich ist. Ein Mangel an Nährstoffen kann zu einer Degeneration der Knochensubstanz führen, wie beispielsweise Exostosen (Knochenauswüchsen, Überbeinen), aber auch zu einem massiven Knorpelabbau.
Fütterungsempfehlung:
Auf der Basis einer qualitativ hochwertigen Heufütterung (keinesfalls Silage) sollten diese Pferde maßvoll und der Leistung entsprechend mit Kraftfutter gefüttert werden. Zur Spurenelementergänzung dient Nr. 4 Goldwert. Eine rasche Entsäuerung des Gewebes kann durch basenbildende Nahrungsbausteine ermöglicht werden (siehe dazu Nr.10 Wellness).
Wichtig ist die Fütterung von Magnesium und Vitamin E zur Bekämpfung ernährungsbedingter Verspannungen. Im Jungbrunnen liegt Magnesium in der hochverfügbaren Citrat - Form vor. Der Magnesiummangel kann bereits nach ein oder zwei Monaten ausgeglichen sein.
Die Zufütterung von Mangan gestaltet sich langwieriger und sollte gerade im Fall von Kissing Spines mindestens über ein halbes Jahr aufrecht erhalten werden. Der Mangel an Mangan führt nicht nur zu Verspannungen, der die Dornfortsätze über die Muskulatur zusammenpressen kann sondern auch zu einem verzögerten oder gestörten Aufbau von Knorpelgewebe.
Um den Wiedereinstieg in Bewegungsprogramme (zum Beispiel Longieren über den Rücken) zu erleichtern, hat sich die Fütterung von Glucosaminsulfat, Teufelskralle oder natürlichem Vitamin E bewährt. Daher kann man die Bewegungtherapie gut und gerne mit der Fütterung einer Dose Nr. 3 Drachentöter beginnen.