Steif – blockiert – arthrotisch
Gelenke frühzeitige richtig pflegen
Die Gelenke sind die Verbindungen zwischen den Knochen. Die Gelenkflächen sind von Knorpel umgeben, der eine reibungsfreie und stoßdämpfende Beweglichkeit des Individuums gewährleistet. Eine Schädigung des Knorpels kann durch Unfälle passieren, durch Überlastungen, durch Fehlstellungen oder durch Verschleiß. Auch eine Entzündung kann zu einer Veränderung der Gelenke führen. Wird eine Veränderung an den Gelenksknorpeln nachgewiesen, bezeichnet man dies medizinisch als Arthrose.
Eine Veränderung, Entzündung oder Abnutzung des Gelenkknorpels führt langfristig zu Lahmheiten und im schlimmsten Fall zur Unbrauchbarkeit eines Pferdes. Bevor es aber dazu kommt, kann der aufmerksame Reiter reichlich Anzeichen erkennen.
Feste Muskeln - steife Gelenke
Pferde, die mit einer sehr festen Muskulatur ausgestattet sind und damit schwerer in Gang kommen als andere, haben prinzipiell einen Hang zur späteren Arthrose. Eine lockere Muskulatur ist sehr wichtig, um die Beweglichkeit der Gelenke und damit auch der Nährstoffdurchflutung der Knorpel zu erhalten. Daher sollte man auch immer erst mindestens 10 Minuten Schritt am langen Zügel reiten, bevor man in die Lösungsphase geht.
Manche Pferde brauchen sehr lange, bis sie sich lösen. Es kann durchaus passieren, dass sich dieses Pferde während des Reitens gar nicht lösen wollen. Mit der Zeit werden sie fester und fester in der Muskulatur, die Gelenke werden damit auch regelrecht zusammengezogen und es entstehen sogenannte Blockaden. Unter Blockaden versteht man, dass das Gelenk nicht mehr über die Bewegungsfreiheit verfügt, der Gelenkspalt beeinträchtigt ist und die Knorpel aneinanderreiben können. Das ist sehr schmerzhaft.
Blockaden sofort lösen
Viele Pferde leiden unter diversen Blockaden und es ist gut, das sich der Beruf des Physiotherapeuten und Osteopathen in der Szene etablieren konnte. So wird sehr vielen Pferden rasch geholfen. Früher war das so noch nicht möglich, weil man darüber noch nichts wusste. Da wurden Gelenkprobleme grundsätzlich medizinisch behandelt.
Verbliebe eine Blockade in einem Gelenk, so käme es unweigerlich zu einer einseitigen Abnutzung des Gelenkknorpels. Der Gelenkknorpel, der übrigens von Natur aus hoch regenerationsfähig ist, wird durch Fehlstellungen oder Blockaden mehr abgenutzt als er nachgebildet werden kann.
Blockaden können aber auch dadurch entstehen, dass ein Pferd sich übermütig benimmt, bockt, ausschlägt, eventuell hinfällt. Wichtig ist, dass das Pferd sich anschließend schüttelt. Damit will es von sich aus die Blockaden lösen. Gelingt das nicht, fällt das oft erst viel später auf. Die Muskulatur will sich trotz Reiten nicht stabilisieren oder entwickeln, das Pferd reagiert unwillig und macht Probleme in den Wendungen.
Es gibt tatsächlich sehr gute Reiter, die möglicherweise durch sanfte, sportliche und korrekte Arbeitsweise das Pferd so gymnastizieren können, dass sich Blockaden lösen. Solche Reiter werden aber immer seltener.
Dem normalen Reiter kann man an dieser Stelle nur empfehlen, den Manualtherapeuten kommen zu lassen und das Pferd wieder „geradezurichten“. Damit erhalten die Gelenke wieder die richtige Ausgangsposition und der Knorpel regeneriert sich rasch.
Nährstoffe für die Gelenksregeneration wichtig
Die Voraussetzung für eine rasche Knorpelregeneration (zum Beispiel nach der Behandlung durch den Physiotherapeuten) ist das Vorhandensein spezieller Grundnährstoffe bereits in der Trächtigkeit und im Fohlenalter. In den letzten 20 Jahren wurden sehr viele Pferde gezüchtet und auch exportiert. Studien haben gezeigt, dass die Ernährung der Zuchtstuten Mängel in vielen Nährstoffen zeigte. Die Veränderungen der Futterqualität konnte durch die üblichen Mineralfutter, wenn diese überhaupt gefüttert wurden, bei weitem nicht ausgeglichen werden, so dass mit jeder Muttergeneration der Mangel größer wurde. Durch die Trennung von Ernährung und Medizin wurden die Gelenkserkrankungen gerne als rein genetisch bedingt abgetan.
Ein Zusammenhang zwischen der Fütterung und Gelenksproblemen wurde in den letzten Jahren wissenschaftlich untersucht und überdeutlich bestätigt. Siehe dazu: Ernährung für die Gelenke
Dr. Susanne Weyrauch-Wiegand Februar 2011