Biotin - bekannt als Hufvitamin
Lässt das Horn schneller wachsen
Biotin wurde bekannt für seine Wirkung, Hufe beschleunigt wachsen zu lassen. Sein Einfluss auf den Stoffwechsel ist aber viel umfassender.
Zufuhr relativ gesichert
Wie die anderen B-Vitamine wird Biotin über die Dickdarmflora des Pferdes synthetisiert. Zusätzlich gelangen die Vitamine des B-Komplexes (außer B12) über alle Grünfuttermittel, sowie deren Konservate (Heu und Silage) in die Futterration. Getreide, Getreideprodukte und in besonderem Maße Hefen verfügen über hohe Mengen Vitamin B. Biotin selbst befindet sich vor allem in den Blättern von Grünfuttermitteln. In der menschlichen Ernährung sind vor allem tierische Produkte wie Leber, Niere und Eigelb reich an Biotin, was zeigt dass Biotin zumindest kurzfristig dort gespeichert wird.
Geringe Speicherfähigkeit
Die wasserlöslichen Vitamine (außer B12) sind nicht so speicherfähig wie die fettlöslichen Vitamine. Daher ist eine kontinuierliche Versorgung beziehungsweise Eigensynthese nötig. Überschüsse werden über die Niere ausgeleitet.
Viele Funktionen im Stoffwechsel
Biotin wirkt als Coenzym bei der Übertragung von Kohlenstoff. Diese Eigenschaft macht es zu einem wichtigen Bindeglied zwischen dem Kohlenhydrat- und dem Fettstoffwechsel. So hängt zum Beispiel die Fettsäuresynthese u.a. von Biotin ab. Auch bei der Umwandlung von Pyruvat in Fructose und schließlich Glucose, der sogenannten Gluconeogenese (einer Art Entgiftung) ist Biotin beteiligt.
Mangelerscheinungen
Möglich sind unspezifische Symptome, wie Appetitlosigkeit, Depressionen und Erschöpfungszustände, Lähmungserscheinungen, sowie Fruchtbarkeits- und Laktationsprobleme. Beobachtet wurden Hautveränderungen, Haarausfall und Haarverfärbungen (Haut borkig oder schuppig). Muskelstoffwechselstörungen wie Kaliummangel oder eine verminderte Entsäuerung des Muskels wurden einhergehend mit Muskelschmerzen festgestellt. In der Leber ist unter Biotinmangel die Eiweißsynthese gestört.
Anregung der körpereigenen Biotinsynthese
Biotin kann dem Pferd, zum Beispiel als ein Baustein zur Verbesserung der Hufsituation, in Form von Biotinpräparaten verabreicht werden. Das Vitamin an sich ist jedoch sehr teuer. Daher macht es Sinn, langfristig die körpereigene Biotinproduktion des Pferdes anzuregen, um teure Zusätze zu vermeiden. Hierfür gilt ebenso wie für die Bildung aller anderen B-Vitamine, dass bei der Fütterung auf die ausreichende Zufuhr von einwandfreiem Heu (1 bis 1,5 Kilogramm pro 100 Kilogramm Lebendgewicht) geachtet wird und die übrige Futterration dem tatsächlichen Nährstoffbedarf entspricht.
Die Kraftfutterration sollte dem tatsächlichen Energiebedarf angemessen erfolgen. Das richtige Verhältnis zwischen Rau- und Kraftfutter spiegelt sich auch in einem angemessenen und nicht zu sauren pH-Wert des Darms wieder, der die Biotinsynthese unterstützt.
Eine Überfütterung mit Weidegras, aber auch Getreide führt zu Protein- oder Stärkeüberschüssen, die die Dickdarmflora schädigen können und die lebenswichtige körpereigene Biotin- wie auch die Synthese aller anderen B-Vitamine einschränken.
Dr. Susanne Weyrauch-Wiegand 2011 ©