Mineralisieren - aber richtig!

Vom Sinn und Unsinn mancher Futterergänzungen

Auch wenn der Markt derzeit zu einer "natürlichen Fütterung" tendiert, darf unter keinen Umständen vergessen werden, dass der tägliche Nährstoffbedarf des Pferdes gedeckt werden muss. Wer sein Pferd ausschließlich mit Heu füttert, um dem derzeitigen Trend des getreidefreien Fütterns gerecht zu werden, muss langfristig über dieses Thema nachdenken, das sonst sein Pferd nachhaltig in Gefahr gerät, einen Nährstoffmangel zu erleiden.

Der Pferdehalter ist in einem großen Dilemma. Mit der Zufütterung klassischer Mineralstoffe, die meistens auf Calciumcarbonat, besser klingenden Namen wie Algenkalk, einfachen Füllstoffen wie Weizenkleber, Soja oder Bierhefe basieren, wird er die Gesamtfutterration seines Pferdes, die - bereits getreidereduziert - einen durch das Raufutter gesättigten Calciumgehalt  enthält, nicht mehr verbessern können.  Der so induzierte Calciumüberschuss  wird nicht wie im allgemeinen angenommen einfach aus dem Körper ausgeschieden, sondern führt vorher zur Verdrängung von lebenswichtigen anderen Mineralien, wie zum Beispiel Magnesium und den in viel geringerer Konzentration in der Gesamtfutterration vorliegenenden Spurenelementen.

Zweifelhafte Mineralisierungen

Andererseits gibt es mittlerweile einige Futtermittelhersteller, die reine Kräuter - bzw. Wurzelrezepturen als Mineralfutter anpreisen, was im Nachhinein zu vielen reichlich verwunderten Pferdebesitzern führt. Es ist unproblematisch nachzurechnen, dass diese sogenannten "organischen Mineralfutter" höchstens den Mineralstoffgehalt sehr sehr hochwertigen Heus aufweisen und es so logischerweise mit einer Fütterung von 100 bis 200g dieser Futter am Tag zusätzlich nicht getan ist. Würde man von diesen "Mineralfuttern"  4 bis 5 Kilogramm am Tag füttern, würden sie sicher sehr gut zur Mineralisierung beitragen. Verwunderlich, dass sich letztendlich so viele Pferdebesitzer keine Gedanken machen und ohne genau Durchsicht der Inhaltsstoff- und Zusatzstoffangaben den Aussagen der Hersteller folgen.

Schüsslersalze zur Mineralisierung ungeeignet

Den ultimativ größten Denkfehler machen Pferdebesitzer - und das nicht selten auf Anraten des Tierheilpraktikers  - , die zur Mineralisierung Schüsslersalze anwenden. Erzählt man das dem Arzt, Apotheker oder jedem anderen naturwissenschaftlich gebildeten Menschen, wird sich derjenige vor Lachen nicht mehr einkriegen. Dabei müsste es einem eher zum Heulen zumute sein, wenn man bedenkt, zu was für drastischen, und teilweise nicht wieder gut zu machenden, gesundheitlichen Schäden ein langfristiger Mineralstoffmangel beim Pferd führt.

Bei den Schüsslersalzen handelt es sich um naturheilkundliche Medikamente, die in der Apotheke frei verkäuflich sind (laut DHU: "apothekenpflichtige homöopathische Arzneimittel"). Unabhängig vom medizinischen Wert der Schüsslersalze handelt es sich hier nicht um eine Mineralisierung sondern um ein "biochemisches Heilverfahren", dessen Wert und Wirkung hier nicht in Frage gestellt werden soll!

Auch wenn Dr. Schüßler äußerte: „Mein Heilverfahren ist kein homöopathisches“, wendete er bei der Herstellung seiner Salze ein wichtiges homöopathisches Prinzip an – die Potenzierung. Ebenso wie alle anderen homöopathischen Arzneimitteln ist bei den Dr. Schüßler Salzen nur ein winziger Bestandteil des Arzneistoffes enthalten. Sie dienen auf feinstofflicher Ebene der Anregung der Selbstheilungskräfte des Körpers.

Dabei ist es unschwer zu erkennen, dass es sich bei den Schüsslersalzen um Dilutionen (Potenzierungen/Verdünnungen) handelt, eindeutig erkennbar an dem "D" im Anschluss an den Namen es Inhalts, bzw. des Salzes. Zum Beispiel: Magnesium phosphoricum D6, dem Schüsslersalz Nr. 7.  Das nach dem  genannten Mineralstoff bzw. Salz verwendete "D" steht für eine sogenannte Verdünnung. Hier in der 6. "D"ezimalpotenz!

Mathematisch in Potenzen denken

Dilution D1 heißt, dass von einer Urtinktur, in diesem Fall ein Salz, 10 % in dem Produkt (meist Milchzucker) enthalten sind, also 1 zu 10 verdünnt wurde.

Dilution D2 heißt, dass von dem Salz (Nährstoff) ein Prozent in dem Produkt enthalten ist, es wurde die D1- Verdünnung mit 10 Teilen (meist Milchpulver) verdünnt.

Jetzt macht es Spaß, weiter zu rechnen, denn in D3 ist nur noch 1/1000 enthalten, in D4 nur noch 1/10.000 und in D5 nur noch ein Molekül des Ausgangsstoffs in 1 Million Grundsubstanz! Weiter muss man an dieser Stelle nicht gehen.

Ausgehend von dem Magnesiumbedarf des Pferdes von mindestens 10-14g am Tag ist spätestens jetzt jedem Pferdebesitzer leicht ersichtlich, dass er mit 100 Tabletten Schüßlersalze Nr. 7 (250mg je Tablette) 25g Milchzucker verabreicht mit einem Gesamt Anteil von Magnesium von sage und schreibe  2,5 x 10 -6g! Eine unvorstellbar kleine Zahl!

Richtig mineralisieren

Der richtigen Mineraliserung liegt eine Futterberechnung zu Grunde, die die absoluten Nährstoffgehalte aller zugeführten Futtermittel dem Nährstoffbedarf gegenüberstellt. Nur so ist eine bedarfsgerechte Fütterung möglich.

Dr. Susanne Weyrauch-Wiegand Mai 2016©

Foto: fotolia/Urheber: Nadine Haase

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