Heuernte Dürre trockendes Wetter

Jahrhundertsommer 2018

für Pferde kein gutes 2019

Der Sommer 2018 war derartig heiß, dass  Ernteausfälle in Milliardenhöhe zu erwarten sind. Das ist aber noch längst nicht alles. Der Schaden für die Pferde, auch für heranwachsende Fohlen, Jährlinge und Zweijährige wird sich erst im darauffolgenden Jahr zeigen.

Durch die anhaltende  Dürre, die teilweise nicht einmal durch kleinste Regenschauer unterbrochen worden ist, ist die Grasnarbe vertrocknet. Das, was sich jetzt durch den trockenen Boden schiebt sind, auch wenn man diesen Begriff gar nicht gerne nennen möchte  tatsächlich "Unkräuter".

Weidegang teilweise gesundheitsbelastend

Es sind die ganz harten, durch nicht ganz ungefährliche Sekundäre Pflanzenstoffe bewaffneten Pflanzen, die den Weg an die Oberfläche ans Licht schaffen wie  Jakobskreuzkraut oder der Hahnenfuß.

Das nahrhafte Weidelgras ist bis auf die Narbe heruntergefressen, ein weiterer Verbiß ist Stress und Pilze (Endophyten) übernehmen das Regime. Die in Symbiose mit dem Weidelgras lebenden Pilze schützen das Gras mit Alkaloiden gegen Fressfeinde.

Mikronährstoffmangel gesichert

Was nun an Nährstoffen durch fehlenden Weidegang fehlt sind Vitamin K, Folsäure, Spurenelemente und Omega-3-Fettsäuren. Bei heranwachsenden Pferden kommt es zudem zu möglichen Proteindefiziten.

Das Problem des Koppelgangs  in der derzeitigen Situation ist, dass das Pferd naturgemäß versucht, fehlende Nährstoffe in jedem Fall aufzunehmen und nicht davor zurückscheut, auch bei giftigen Kräutern und verpilzten Gräsern zuzubeißen. Damit wird die Lebergesundheit des Pferdes in Mitleidenschaft gezogen.

Heuernte gefährdet

Es würde in jedem Fall Sinn machen, den Pferden hochwertiges, grünes und wenn möglich nicht überständiges oder gar verschimmeltes Heu auf der Koppel mitanzubieten. Leider handelt es sich hierbei um Mangelware.

Sehr viele Landwirte haben - in der Hoffnung, doch noch etwas  Regen für die Grasflächen zu bekommen - die Heuernte teilweise zu spät eingeleitet. Es wurde überständiges, teilweise sogar schon gelbes bwz. beiges "Heu" geerntet. Solches Heu verdient eigentlich dne Namen Heu nicht mehr.

Heu sollte nämlich im Allgemeinen grün sein, aromatisch, fast parfümiert riechen und nicht stauben. Das durch die Trockenheit gestresste Gras hat jedoch früher ausgesamt und damit den eigenen Zersetzungsprozess mithilfe von Pilzen eingeleitet. Dieses zu spät geerntete Heu ist nicht mehr wirklich grün, die Stengel bei näherer Betrachtung grau und der Geruch leicht muffig.

Leberprobleme und schwieriger Fellwechsel vorprogrammiert

Sowohl die Mykotoxine aus zu spät geerntetem Heu, als auch die Alkaloide aus dem  niedergefressenen Gras sowie die Aufnahme ganzer unpassender Ackerpflanzen belasten die Leber der Pferde.

Klassische Folgen sind Mauke, Atemwegsbeschwerden und eine feste Muskulatur mit entsprechenden Bewegungsstörungen. Im Winter werden zusätzliche Infektionskrankheiten die Ställe überschwemmen.

Auch wenn jetzt noch die Welt in Ordnung scheint muss man nicht orakeln können, dass uns dieses Jahr ein krasser Fellwechsel um die Ohren gehauen wird.

Heu für den Winter Mangelware

Heu wird noch in diesem und in jedem Fall im Jahr 2019 extrem teuer werden, weil die Ernte zu gering ausgefallen ist. Gerade Einsteller in Pensionsställen werden sich extrem schlechten Heuqualitäten ausgesetzt sehen und sich dagegen leider nicht werden können. Der Anteil an Heulagefütterung wird vermutlich wieder ansteigen mit all den damit verbundenen gesundheitlichen Konsequenzen.

Die gute Nachricht ist, dass es dieses Jahr fantastische Strohqualitäten geben wird, die den Rohfaserbedarf vorzüglich decken können. Wer sich von dem Gedanken lösen kann, "Heu ad libitum" geben zu müssen (schlechte Heuqualitäten zu füttern wird in jedem Fall teurer, da Folgekosten für die tierärztlichen Behandlungen nicht ausbleiben werden) und sich dafür kleine Mengen (1 kg pro 100kg Körpermasse) teures Hochlandheu leistet, wird noch fein raus sein.

Die Bevorratung mit Heutrockenprodukten, der Einkauf rohfaserreicher Kraftfutteralternativen sind kostenspielige Prophylaxemaßnahmen, die sich vermutlich ebenso lohnen werden.

Die Hoffnung, dass alles nicht wirklich so tragisch wird, wie hier ausgemalt und Einkäufe im Ausland retten könnten, kann an dieser Stelle nicht bestätigt werden, da große Teile Europas von dieser Dürre betroffen sind.

 

Dr. Susanne Weyrauch -Wiegand © August 2018

 

Foto: fotolia: #213495678 | Urheber: lemanieh

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