Leitfaden für den Muskelaufbau

Eine gesunde Muskulatur beim Pferd entwickeln

Ein guter Muskelaufbau beim Pferd wird als Schönheits- und Aktivitätsmerkmal geschätzt. Tatsächlich ist er auch gesund, denn eine gute Muskulatur schützt die Gelenke, verbessert die Durchflutung des Bindegewebes und verbessert die gesamte Stoffwechselsituation.

Pferde werden als Bewegungstiere bezeichnet, was jedoch für die meisten Spezies auf dieser Welt im weitesten Sinne gilt. Auch Menschen, Hunde, Ratten, Rinder oder Schweine sollten sich von Natur aus täglich bewegen können.

Gehen wir von der freien Natur aus, verfügen vor allem Hengste und Junghengste über einen guten Muskelaufbau, da sie den lieben langen Tag miteinander kämpfen, sich dabei von Natur aus  Galopprennen liefern, Traversalen und Capriolen üben oder auch mal eine Levade springen.

Der hohe Testosterongehalt (männliches Geschlechtshormon) ist verantwortlich für das eindrucksvollte Spiel der Hengste. Wallache sind kastriert und verfügen über weniger Testosteron als Stuten. Sie spielen auch noch bis ins hohe Alter, aber weit nicht so heftig und ausdrucksvoll wie Hengste. Doch nicht alle Junghengste strotzen vor Muskulatur. Hier gibt es große Unterschiede, die zeigen, dass Bewegung alleine nicht verantwortlich für den Muskelaufbau ist.

Stuten verhalten sich schon in der Jugend anders, sie kämpfen nicht so ausdauernd miteinander und mehr oder weniger sinnloses Herumgaloppieren ist ihnen eher fremd, außer sie werden frisch und voller Energie aus dem Stall entlassen.

Realistische Muskelbildung nur durch Training

Vom Pferd erwarten wir im allgemeinen eine sichtbare Muskulatur, die sich letztendlich nicht alleine durch normale Bewegung (zum Beispiel Offenstallhaltung mit Weidegang) bildet. Auch wenn das Pferd den ganzen Tag die Möglichkeit hat sich frei zu bewegen, ist - umd eine ausgeprägte Muskulatur zu erwirken echtes Training erforderlich.

Bei Pferden kann im Allgemeinen schon in der Jugend der Grundstein für Ausdauer, Beweglichket und Kraft durch die klassische Reitausbildung gelegt werden.  Dass dazu beim ausgewachsenen Reitpferd auch lange Galoppreprisen, Longen- und Stangenarbeit oder versammelte Dressurlektionen zählen, darf nicht in Vergessenheit geraten. Muskelbildung bei erwachsenen Pferd gelingt nur mit entsprechender schweißtreibender Arbeit.

Funktionsweise der Muskulatur

Der Muskel selbst setzt sich aus zahlreichen Muskelfasern zusammen, die aus sogenannten Myofibrillen bestehen. Hier wird chemische Energie in mechanische Energie umgewandelt. Dabei kommt es - aktiviert durch Nervenreize - zu einer Kontraktion und es gelangen sogenannte Aktinfilamente in die Myosinfilamente.

Die dazu benötigte Energie wird durch Adenosintriphosphat (ATP) bereitgestellt. Für diesen Vorgang wird auch Calcium bereitgestellt, die Lösung der Filamente voneinander erfordert hingegen wieder Magnesium (die natürliche Futterration des Pferdes ist grundsätzlich reich an Calcium, aber sehr oft arm an Magnesium).

Die Vorräte an ATP sind nach ca. 10 bis 20 Muskelkontraktionen erschöpft und müssen dann rasch wieder aufgefüllt werden. Das entstandene Adenosindiphosphat (ADP) wird über Kreatinphosphat (KP) aufgefüllt. Dieser Weg ist an Enzyme und deren Cofaktoren gebunden. Zu den Cofaktoren zählen Vitamine und Spurenelemente.

Nach ca. 100 Kontraktionen muss Glukose , also Traubenzucker bereitgestellt sein, um die Reserven von Adenosintriphosphat und Kreatinphosphat wieder aufzufüllen . Diese Glukose stammt aus dem in der Muskulatur gespeicherten Glykogen, auch tierischer Stärke genannt.

Glykogen ist ein Makromolekül aus verketteten Glukosebausteinen, ein Mehrfachzucker (Polysaccharid). Glycogenreserven sind im Muskel, aber auch zu einem Großteil in der Leber gespeichert. Sie stammen u.a. aus einer kohlenhydratreichen Fütterung. Die Aktivierung von Glycogen ist offensichtlich Manganabhängig, ebenso die Bildung von ATP und Kreatinphosphat. Ein Manganmangel wird also naturgemäß zu einer verminderten Muskelbildung beitragen.

Werden weitere Muskelkontraktion benötigt, kommt es im Rahmen des Trainings zur Verwendung einer weiteren Energiequelle, den Fettsäuren.

Bei Ausdauerleistung und eine ausreichende Durchblutung wird eine ausreichende Sauerstoffzufuhr gewährleistet. Wird Schnelligkeit und Höchstleistung beim Pferd gefordert, kommt das Pferd schnell in eine Sauerstoffschuld und die Glukose wird in Milchsäure umgewandelt.

Hemmnisse für eine gesunde Muskelentwicklung

Ein reeller Muskelaufbau kann stagnieren, wenn das Pferd zu hart oder mit zu wenig Geduld entwickelt wird. Nach Phasen starker Forderung müssen auch mal Phasen der Entspannung (Ausritte oder Weidegang) eingelegt werden. Auch Pferde kennen das Problem Muskelkater, der einerseits auf zu hohe Anflutung von Milchsäure (einem Abbauprodukt der Glukose), andererseits auf Mikrorisse in der Muskulatur zurückgeführt werden.

Obschon die Milchsäure einerseits in der Leber umgebaut wird und andererseits durch die sogenannte Glykoneogenes wieder zu Traubenzucker hergestellt wird, kann es bis zu drei Tage dauern, die Glykogenreserven in Abhängigkeit von einer kohlenhydrathaltigen Fütterung wieder aufzufüllen.

Eine stark geforderte Muskulatur entwickelt sich nur unter einer erhöhten Sauerstoffleistung, die wiederum zur Bildung freier Radikale führen kann. Werden die freien Radikale nicht abgefangen, kann es zum Untergang der Muskulatur kommen. Hier spielen Vitamin E, aber auch das Selen als Coenzym für die Glutathionperoxidase eine überragende Rolle.

Der Muskelaufbau stagniert sofort, wenn das Pferd nicht mehr gefordert wird! Ein rasanter Muskelabbau findet statt, wenn das Pferd beispielsweise mehr als 8 Tage aufgrund von Schonung nicht gearbeitet werden kann. Jegliche Maßnahmen, die Muskulatur ohne Arbeit zu erhalten scheitern.

Muskelaufbau erfordert sauberes und hochwertiges Grundfutter

Wenn Pferde gut gearbeitet werden, der Sattel passt und auch physiotherapeutisch keine Probleme vorliegen, können zwei Gründe den Muskelaufbau bremsen. Zum einen ein oder mehrere Nährstoffmängel, zum anderen Stoffwechselprobleme.

Stoffwechselstörungen beim Pferd sind nicht selten ein hausgemachtes Problem durch schlechte Futterqualitäten (verschimmeltes Heu), Silage (biogene Amine), mit Konservierungs- oder Süßstoffen versetzte Kraftfutter oder  aromatisierte Zusatzfutter. Aber auch häufige Impfungen, die Gabe von Schmerzmitteln, Medikamenten (Abusus von "vorbeugend" gegebenen Magenmitteln oder Antibiotika) und Wurmkuren können vor allem die Leber, den Darm und die Nieren des Pferdes belasten.

Sobald die Leber über die Maßen beansprucht, ist sie nicht mehr in der Lage Eiweiß bzw. Aminosäuren aus den Futtermitteln in körpereigenes Eiweiß, sprich Muskeleiweiß umzubauen. In diesen Fällen genügt auch nicht die Gabe von Aminosäurepräparaten, da die angeschlagene Leber nicht in der Lage ist, die auch tatsächlich in Eiweißsequenzen umzubauen.

Energie und Eiweiß

Tatsächlich benötigt ein Pferd zum Muskelaufbau ausreichend Energie, sonst könnte man es nicht trainieren. Durch die klassische Heu und Haferfütterung wird beides geliefert, reichlich Energie und Eiweiß. Hafer enthält sehr hochwertiges Eiweiß, welches sich durch eine hohe biologische Qualität auszeichnet. Hafer besticht regelrecht durch die Aminosäure Tyrosin, die  leistungssteigernd wirkt und bei Pferden nicht selten die Ausbildung des Temperaments fördert, was endlich jedoch - wenn es händelbar ist - absolut benötigt wird. Daher kann auch bei ausreichender Heufütterung mit 1,5 Kilogramm je 100 Körpergewicht eine zusätzliche Zufuhr von 500 Gramm Hafer je 100 Kilogramm Körpergewicht notwendig sein.

Muskelaufbau durch bedarfsgerechte Mineralisierung

Zu den schwierigsten Themen der Pferdefütterung gehört die bedarfsgerechte Mineralisierung. Gemäß den Erkenntnissen von Freiherr Justus von Liebig (1803 bis 1873), der jene auf die Pflanzenernährung bezogen hat, können auch wir davon ausgehen, dass der Nährstoff, der am stärksten im Mangel, ist das ganze System - hier den Muskelaufbau limitiert.

Wenige Sportreiter wissen um die Wichtigkeit von Magnesium als Schlüsselelement für den Muskelaufbau. Magnesiummängel werden in den Blutbildern oft nicht richtig interpretiert und die Zufuhr beschränkt sich nicht selten auf Verbindungen, die nicht wirklich resorbiert werden.  Dadurch wird unwissentlich der Knochen, als das größte Reservoir für Magnesium ist, bei Sportpferden schneller geleert als man sich das vorstellen kann.

Ebenso kann das dem Pferd mit den Spurenelementen Zink, Mangan, Cobalt, Jod und Selen, aber auch mit den Vitaminen A, D und E ergehen. 

 

Dr. Susanne Weyrauch-Wiegand Januar 2020©

 

Bilder : Slawik©

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