Die Weender Analyse

Was sagt die Futterdeklaration aus?

Irgendwie veraltet, aber trotzdem noch nicht überholt ist die Weender Futtermittelanalyse, die Ende des 19. Jahrhunderts von den Herren Henneberg und Strohmann entwickelt wurde. Sie stellt eine Möglichkeit dar, die einzelnen Futtermittel zu unterscheiden. Die Analyse finden wir, weil der Gesetzgeber es fordert, auf jeder Pferdefutterpackung.

Auch wenn das Verfahren vom ernährungsphysiologischen Standpunkt aus etwas veraltet ist und nicht die Vielfalt ernährungsrelevanter Nährstoffe erfasst, dient es doch als Groborientierung zum Vergleich von Futtermitteln untereinander. Die  Futtermittel werden dabei verschiedenen, dabei recht groben chemischen Analysemethoden unterworfen.

Rohwasser und Trockensubstanz

Als Rohwasser gelten alle Stoffe, die nach einer dreistündigen Trocknung des Futtermittels bei 105°C flüchtig sind. Was übrig bleibt, ist die sogenannte Trockensubstanz. Unter Trockensubstanz versteht man also Frischsubstanz abzüglich des Rohwassers.

Rohasche

Zur Ermittlung der Rohasche wird die Futtermitttelprobe bei 550° C verbrannt. Die nicht verbrannten Bestandteile (die Asche aus oxidierten Mineralstoffen, Sand oder Ton) geben uns Aufschluss über den Gehalt an anorganischen Substanzen und sollen ein Richtwert für den Mineralstoffgehalt des Futtermittels darstellen. Leider können aber auch Verunreinigungen wie Sand und Staub (siehe oben) den Gehalt an Rohasche erhöhen. Wollte man genauer wissen, welcher Anteil nun tatsächlich mineralienhaltig ist, müsste man durch Versetzen mit Salzsäure die Mineralien in Lösung bringen. Rohasche abzüglich der nicht salzsäurelöslichen Komponenten wird als Reinasche bezeichnet, welche dem echten Mineralstoffgehalt entspricht.

Rohprotein

Unter Rohprotein werden alle stickstoffhaltigen Substanzen im Futtermittel zusammengefasst. Dazu zählen Eiweiße, aber auch Nitrit- und Nitratverbindungen (z.B. Amide), Alkaloide und Glucoside.
Dabei wird der Stickstoffgehalt eines Futters nach einem speziellen chemischen Verfahren eines Herrn Kjedahl ermittelt und mit 6,25 multipliziert, da Eiweiß grundsätzlich 16 Prozent Stickstoff enthält (100/16 =6,25).
Zur Bestimmung des tatsächlichen Reineiweißes wird das Eiweiß mit Kupferhyderoxid ausgefällt. Aber auch hier liefert die Weender Analyse  keine Ergebnisse zur Eiweißqualität, sondern nur zur Quantität. In der Pferdefütterung ist ein niedriger Proteinanteil mit einem weiten Spektrum an Aminosäuren bei gleichzeitig hohem Gehalt an essentiellen Aminosäuren erwünscht. Ein geringer Rohproteingehalt mit geringem oder einseitigem Gehalt an Aminosäuren führt zum Eiweißmangel. Mindestens genauso nachteilig ist ein zu hoher Rohproteingehalt bei einseitiger Aminosäure-Zusammensetzung.

Rohfett

Sämtliche Bestandteile, die im Fettlösungsmittel Ether löslich sind, werden als Rohfett bezeichnet. Unter den Begriff Rohfett fallen neben  energieliefernden und hochwertigen Fetten auch Harze und Wachse, die nicht verdaulich sind genau so wie schwerverdauliche gesättigte Fette. Die Weender Analyse kann keine Angaben zur Fettqualität machen.

Rohfaser

Unter Rohfaser versteht man den Rückstand, der verbleibt wenn man das Futtermittel einer Säure- und anschließender Alkalibehandlung unterzogen hat. Übrig bleibt der unlösliche fett-, stickstoff- und aschefreien Rückstand einer Substanz. Dabei handelt es sich um unlösliche Polysaccharide wie Cellulose, Pentosane, Lignin und andere Ballaststoffe, die vor allem in den Zellwänden pflanzlicher Produkte enthalten sind und denen Stabilität verleiht. Die Bedeutung der Rohfaser in der Fütterung ist gestiegen, seit immer mehr Pferde zu Fettleibigkeit, Insulinresistenz und Hufrehe leiden.

Stickstofffreie Extraktstoffe – Zucker, Stärke und Co.

Unter die stickstofffreien Extraktstoffe fallen rein quantitativ alle Zuckerverbindungen und Stärke, Inulin, sowie ein gewisser Anteil löslicher Gerüstsubstanzen, die bei der Rohfaser nicht ermittelt wurden. Die auch als NfE (nitrogen free extractives) bezeichneten Analysewerte der Weender Analyse werden durch Errechnung ermittelt. Dabei werden  die Werte von Rohwasser, Rohasche, Rohfett, Rohprotein und Rohfaser addiert und von der Frischsubstanz abgezogen.

Die Weender Futtermittelanalyse ist eine rein quantitative Analysemethode. Die tatsächlichen Gehalte an Mineralstoffen und Spurenelementen, sowie die Art ihrer Bindungsform, aber auch Sekundäre Pflanzenstoffe, Pflanzenhormone,  Enzyme oder Vitamine bleiben bei dieser Methode unberücksichtigt. Die Qualität eines Futtermittels kann so für den Verbraucher nicht festgestellt werden. Zusätzlichen Aufschluss gibt die Zusammensetzung eines Futtermittels, die auf der Packung angegeben sein muss. Hier müssen die Rohstoffe aufgelistet werden (in der Reihenfolge ihrer eingesetzten Menge), die im Futtermittel enthalten sind. Die Auswahl hochwertiger Rohstoffe trägt wesentlich zur Qualität eines Futtermittels bei. Zugefügte Stoffe werden als Zusatzstoffe bezeichnet und sind ebenso zu deklarieren. Dazu gehören Vitamin- oder Mineralstoffzusätze. Die angegebenen Werte  geben nicht den Gesamtgehalt eines Nährstoffes im Futter sondern nur den Gehalt, der extra zugeführt wurde, an. Wichtige Quelle und weitere Informationen finden Sie unter: M. Kirchgeßner, Tierernährung, VerlagsUnionAgrar 1997.

Irreführung des Verbrauchers

Der Futtermittelhersteller ist verpflichtet, korrekte Angaben zu machen. Wichtig zu wissen ist, dass die Inhaltsstoffe in absteigender Reihenfolge angegeben werden müssen. Die Angabe von Prozentzahlen ist offen. Hier kann der versierte Hobbychemiker oft feststellen, ob die Angaben richtig oder falsch gemacht wurden. Leider werden die Angaben nicht immer durchgehend von den Regierungspräsidien überprüft. So kann es kommen, dass Verbraucher in die Irre geleitet werden. Oft geschieht das bei organischen Magnesiumverbindungen. Das organisch gebundene Magnesiummolekül ist sehr groß, so dass z.B. bei Magnesiumaspartat, -fumarat oder -citrat der Gehalt an Magnesium nur 10 % beträgt (Ausnahme: teure Mg-Tri-Citrat-Verbingung mit 16%). Das heißt, um einen Gehalt von 10 g Magnesium pro Kilogramm in einem Ergänzungsfuttermittel für Pferde zu erhalten, müssen 100g organisches Magnesium zugeführt werden! Der Magnesiumgehalt des Futtermittels (reines Magnesium) liegt dann bei 1%! Gibt ein Hersteller einen 10%igen Magnesiumgehalt (zum Beispiel bei einem Ergänzungsfutter, das den Magnesiumbedarf decken soll) an in Form von Magnesiumfumarat oder Aspartat, müssten in dem Produkt 1000g Magnesiumverbindungen enthalten sein pro 1000g und es wäre kein Platz für irgendetwas anderes!

Man kann auch umgekehrt prüfen: Bei einer Angabe von 1% Magnesium als angeblich organische Verbindung in einem Futtermittel nehmen 100g Magnesiumverbindung einen Platz ein. Je nachdem, ob und wo diese Verbindung in der Zutatenliste angegeben wird, kann man zurückrechnen, wieviel von anderen Stoffen enthalten ist. Stoffe, die vor dem Magnesium stehen sind mindestens 100g oder mehr, Stoffe die dahinter folgen, weniger als 100g. Werden in der Inhaltststoffliste irgendwelche Prozentzahlen angegeben ist durch Addition leicht nachzuvollziehen, ob hier richtig deklariert wurde.

 

Dr. Susanne Weyrauch-Wiegand 2012

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