Mauke - eine nährstoffbedingte Erkrankung

Wenn der Stoffwechsel streikt hat das nur wenig mit Matsch zu tun

Die Mauke, eine auch als Fesselekzem bezeichnete Hautkrankheit bei Pferden gehört zu den ekzemartigen Erkrankungen. Besonders häufig tritt Mauke bei Pferden mit Fesselbehang und bei Spezialrassen auf. Grundsätzlich können auch alle anderen Pferderassen betroffen sein. Meist beginnt die Mauke in der Zeit des Fellwechsels, im Frühjahr oder Herbst. Neben jungen Pferden im Wachstum oder Pferdesenioren können auch trächtige Stuten betroffen sein.

Das Heimtückische an der Mauke ist, das die Pferde plötzlich davon betroffen werden und sich die Erkrankung dann gerne chronifiziert. Beginnend in und um die Fesselbeuge kommt es zur Ausbildung von Knötchen, Bläschen und schließlich blutigem Schorf. Zieht sich dieser an der Innenseite der Karpal- und Tarsalgelenke  hoch, wird er als Raspe bezeichnet. Oft geht der Maukebefall infolge der Mikroverletzungen der Haut bzw. der schlechten Hautstruktur einher mit Bakterien- , Milben- oder Pilzbefall. Es entsteht schmieriger stinkender Belag. Bei der Entwicklung der chronischen Mauke nimmt die Hautdicke durch systematische Hautwucherungen zu.

Hygienemängel nicht wirklich die Auslöser

Da die Krankheit oft im Fellwechsel auftritt und der Wetterwechsel Matsch und Feuchtigkeit mit sich bringt, wird in der klassischen Tiermedizin die Mauke als Folge mangelnder Hygiene bezeichnet, was schlichtweg die vielen sorgfältigen Pferdbesitzer diskreditiert, die peinlichst auf die Sauberkeit ihrer maukegefährdeten Pferde achten. Ungeachtet dessen gibt es unzählige Pferde, denen der Matsch gar nichts ausmacht.

Es gibt zwei viel wichtigere Gründe für das Entstehen von Mauke. Das eine ist eine nicht bedarfsgerechte Ernährung, das andere eine mangelnde Entgiftungsfähigkeit des Organismus. Und manchmal ist es auch beides. Allergische Dispositionen sind bei Mauke seltener zu beobachten. Auch eine Photosensibilitätsreaktion bei unpigmentierter Haut ist möglich.

Die Erfahrung gibt recht

Heiner Bauer, ein erfahrener Hufschmied aus der Pfalz, berichtete aus französischen Kaltblutställen, dass es dort in den siebziger Jahren regelrecht nach „Mauke“ stank. Die Pferde wurden mit großen Mengen Eiweiß, vor allem Luzerne überfüttert und hatten zu wenig Bewegung.

Auch der Heilpraktiker Felix Mayer aus München betrachtete die Mauke als ernährungsbedingte Erkrankung. Er empfahl, die Mauke „auszuhungern“, denn an Mauke könnte ein Pferd sterben. Das klingt erschreckend, ist aber nachvollziehbar, vor allem unter der Berücksichtung, dass manche Formen von Mauke sich auch nicht durch diverse Antibiotika-Behandlungen in den Griff kriegen lassen wollen. Mayer empfahl bereits in den 80er Jahren eine streng getreidefreie Diät, dafür jedoch reichlich Heufütterung. Zu dieser Zeit war allerdings die Heuqualität noch mineralienreicher. Dass er auf alle Fälle Recht hatte, beweisen unzählige „Heilerfolge“ durch einfache Futterumstellungen.

Zink als Schlüssel-Element

Erfahrungsgemäß treten die größten Heilungserfolge ein, wenn zusätzlich eine mindestens zehntägige Kur mit hochdosierten Gaben des Spurenelements Zink durchgeführt wird. Allerdings spielt die Verfügbarkeit des Zinks eine überragende Rolle. Überholt ist schon längst, dass täglich bis 1000mg Zink verabreicht werden sollten. Bei Zinkoxid oder -sulfat ist der Erfolg auch bei hoher Dosierung nur mäßig, wenn auch gesichert. Bei der Zufütterung von besonders hochwertigem, pH-stabilen Zinkchelat reicht eine tägliche Fütterung von 300 bis 400mg pro Tag, um sehr ansprechende Erfolge zu erzielen.

Dass Zink eine hervorragende Rolle spielt, beweist die Tatsache, dass Mauke vorwiegend im Fellwechsel auftritt. Das ist eine Zeit, in der der Nährstoffbedarf im Bereich der Spurenelemente, vor allem bei Zink für die Haut- und Haarbildung erhöht ist. Besonders der Zinkbedarf ist überragend erhöht und durch normale Mineralfutter weder annähernd noch wirklich befriedigend zu decken. Gerade Spezialrassen und Pferde, deren Energiebedarf niedrig ist, leiden unter Mikronährstoffmängeln, da die Fütterung immer „gebremst“ werden muss und dadurch die Zinkversorgung garantiert zu kurz kommt. Hier tritt vor allem bei Pferden mit Fesselbehang Mauke auf.  Auch Pferde im Wachstum haben einen erhöhten Zinkbedarf, ebenso trächtige Stuten. Senioren neigen durch längerfristige entstandene Zinkmängel und sinkende Energiezufuhr unter der Gefahr Mauke zu entwickeln.

Entgiftungsstörungen

In einigen Fällen nützt der alleinige Einsatz von Zink nur zum Teil. Liegen Entgiftungsstörungen vor, meist in Form von Leber-, Nieren- oder Darmproblemen, wird die Haut als letztes mögliches Entgiftungsorgan genutzt, ähnlich dem Ekzem.

Daher hat sich bei Maukebefall bewährt, den Eiweiß- und Stärke- (bzw. Getreide-) anteil der Futterration deutlich zu kürzen. Mögliche Eiweißquellen können Grassilage, Hafer, meist aber Weidegang sein. Gerade durch Weidegang kommt es unweigerlich zu einer unkontrollierten und überhöhten Eiweißzufuhr. Vorsicht geboten ist auch in einem warmen Spätjahr, das zu einem erneuten Wachstumsschub bei Gras führt. Die so zugeführten Eiweißmengen überlasten den Abtransport von stickstoffhaltigen Stoffwechselprodukten über die Leber und Niere. Die Bildung von die Entgiftung unterstützenden Enzymen ist spurenelementabhängig.  Zudem zeigt sich der durch Eiweißüberfütterung induzierte Spurenelementmangel in Hautveränderungen. Die Haut wird spröde, rissig, platzt auf und öffnet Parasiten Tür und Tor. Der Grund für die zusätzliche Begrenzung der Getreideration sind auch die im Getreide enthaltenen Phytate. Sie binden Mineralstoffe, insbesondere Spurenelemente, so dass diese nicht mehr verfügbar sind. Andererseits sind es Stärkeüberschüsse, die im Dickdarm zu Übersäuerungen führen können.

Unterschätzt wird auch die kontinuierliche Belastung des Stoffwechsels von Pferden mit den Ergänzungsfuttermitteln zugesetzen Konservierungs- und Aromastoffen. Gerade bei der Verfütterung herrlich duftender, feuchter Müslisorten sollte der Pferdehalter kritisch sein.

So sollte Grassilage durch Heufütterung ersetzt und der Weidegang deutlich reduziert werden. Die Getreidezufuhr auf das nötige Maß beschränkt werden und eine Weile "naturrein", unter Verzicht auf Noxen (u.a. Zusatzstoffe wie Aroma-, Farb-, Konservierungs- oder Bindemittel) gefüttert werden. Zu einer bedarfsoptimierten Ernährung, in der erhöhte Zinkgaben eingeschlossen sind, bzw. gegebenenfalls einer zusätzlichen Kur mit Zink, muss in vielen Fällen auf eine Unterstützung der Entgiftungsorgane zum Beispiel mit leberentgiftenden Kräutern eingegangen werden.

 

Dr. Susanne Weyrauch-Wiegand 2010 überarbeitet 4/2016 ©

Foto: fotolia #100075675 | Urheber: Pelana

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