Mais in der Pferdefütterung

Ein Getreide mit reichlich Kohlenhydraten bei wenig Eiweiß

Die Maisfütterung ist oft genug Grund heftiger Diskussionen. Die schwer verdauliche Stärke erfordert in der Zubereitung eine besonderes Augenmerk. Mit dem sogenannten "Bruchmais" mag man Hühner und Schweine, ja sogar Karpfen mästen, aber ob und wie Mais in die Pferdefütterung gehört muss differenzierter gesehen werden. Worin liegen die Vor- und Nachteile von Mais. Kann Mais bei abgemagerten Pferden helfen oder wie ungünstig verhält sich die Maisfütterung bei Pferden, die zu EMS neigen? Wieviel Mais füttert man am besten einem Pferd?

Die Maispflanze

Mais PferdefütterungDie Maispflanze ist eine bis 3 m hohe, alte Kulturpflanze indianischen Ursprungs und kommt aus Zentralmexiko und Peru. 1525 wurde der erste Mais in Spanien angepflanzt.

Um 1800 begann man mit der Zucht witterungshärterer Sorten. Seit etwa 50 Jahren wird er bei uns in Deutschland großflächig als Futterpflanze vor allem für Milchkühe angebaut. Gefüttert werden die Maiskörner als Kraftfutter, frisch gehäckselt als Grünfutter oder vergoren als Maissilage. Maiscobs sind ein Produkt aus der getrockneten und gepressten kompletten Maispflanze mit Kolben, Blättern und Stängel.

Eiweißarm und stärkereich

Der Siegeszug des Mais begann mit der Angst, Leistungspferden zuviel Eiweiß über Hafer oder Gerste zu füttern. Mit Mais konnte jede eiweißreiche Fütterung ausbalanciert und die Pferde „ruhig“ gefüttert werden, da Mais von allen Getreidesorten den geringsten Proteingehalt (8,6% Rohprotein) hat. Der hohe Gehalt an Kohlenhydraten (70% im Vergleich zu Hafer 45% und Gerste 60%) und der moderate Fettanteil von etwa 3 bis 4% Fett macht ihn zu einem klassischen Kohlenhydratlieferanten. Die Eiweißqualität ist jedoch im Vergleich zu Hafer nicht besonders hoch. Das heißt, dass der Gehalt an vom Körper geforderten Aminosäuren geringer als bei Hafer ist, der über eine hohe biologische Verfügbarkeit verfügt. Der Energiegehalt von Mais dagegen ist jedoch gewaltig. Daher gehört auch beim Menschen der Verzehr von Popcorn und Natchos zu den absoluten Diät-Sünden! 15 Megajoule pro Kilo Mais entsprechen 6400 Kilokalorien. Öl enthält 9000 Kilokalorien pro Kilogramm und ist mengenmäßig schwerer in ein Pferd zu bringen als vergleichbare 1,5 Kilogramm Mais. Verständlich, dass Mais im Sportbereich gerne eingesetzt wird.

Zubereitung unausweichlich

Für das Pferd gestaltet sich die Maisfütterung aufwendig. Die Maisstärke ist sehr stark vernetzt und wird im Dünndarm der Pferdes relativ schlecht - im Vergleich zur Haferstärke - aufgeschlossen. Das gilt auch für gebrochene Maiskörner. Daher ist eine vorherige Zubereitung von Mais vor der Fütterung absolut notwendig. Mögliche Zubereitungsformen sind das Dampfflockieren, das Puffen, das Ankeimen lassen, das Mikronisieren (schlagartiges Erhitzen im Infrarotlicht) oder langes Aufkochen.

Maisstärke als Hufreheauslöser?

Gelangt ein Übermaß an unaufgeschlossener Getreidestärke zum Beispiel aus der Fütterung von Maisschrot in den Dickdarm des Pferdes, kommt es zu einer starken Vermehrung milchsäureproduzierender Mikrorganismen wie Streptokokken und Lactobazillen im Dickdarm. Das Verhältnis der flüchtigen Fettsäuren im Darm verändert sich und der pH-Wert sinkt. Das führt zu einer Übersäuerung des Dickdarms. Die Schleimhaut im Dickdarm kann flüchtige Fettsäuren von Natur aus nur bis zu einem bestimmten Grad aufnehmen. Es beginnt eine Art Teufelskreis. Fettsäuren, die nicht aufgenommen werden können, tragen weiterhin zu einer Verschiebung des pH-Wertes ins saure Milieu bei, was zu einer Schädigung der Darmschleimhaut führt und damit wieder zu einer zu verringerten Aufnahme an flüchtigen Fettsäuren.

Der Abfall des pH-Wertes führt zu einem Massensterben der cellulosespaltenden Bakterien. Dabei werden Gifte freigesetzt, die durch die vorgeschädigte Darmschleimhaut rasch in den Blutkreislauf resorbiert werden. Einige dieser Gifte wirken offensichtlich gefässverengend und können die Hufrehe auslösen. Zumindest wird die Leber extrem stark belastet.

Mais macht steif

Pferde, die sehr stark mit Mais gefüttert werden, zeigen oft neben Verpannungen auch vermehrtes Schwitzen und geringere Kondition. In Versuchen konnte festgestellt werden, dass Pferde, die einen hohen Anteil an Stärke im Vergleich zu Rohfaser und Ölen in der Fütterung erhalten, eher zu Übersäuerungen, Schwitzen und Atemnot neigen als Pferde, die reich an Fasern und Ölen gefüttert werden. Von Maissilage kann nur aufgrund der schweren Nebenwirkungen vergorener Futtermittel, zu denen auch die Heulage gehört, abgeraten werden.

Mais als Auslöser für Allergien und Sommerekzem

Immer wieder wird die Maisfütterung in Zusammenhang mit Allergien erwähnt. Es gibt aber derzeit keine wissenschaftliche Untersuchung, die das beim Pferd bestätigen kann. Fakt ist allerdings, dass gerade im Mais hochgiftige Mykotoxine (Schimmelpilzgifte) lauern können, die wiederum zu Leber- und Nierenschädigungen führen können, was die Allergiebereitschaft fördert. Die vor allem durch Fusarium-Arten gebildeten Zearaleone wirken nerven-, blutbildung- , haut- und fruchtbarkeitsschädigend. Dabei können Mykotoxine allerdings auch in allen anderen Grundfuttermitteln auftreten.

Maisfütterung empfohlen

Pferde, die extrem große körperliche Leistungen erbringen müssen und Zuchtstuten im letzten Trächtigkeitsdrittel oder während der Laktation profitieren von dem hohen Energiegehalt hochaufgeschlossener Maisflocken oder Maiscobs. Pferde, die extremer Kälte ausgeliefert sind und durch den Energiemangel abmagern, können ebenso höhere Maiszulagen vertragen. Dabei sollte aber immer berücksichtigt werden, dass eine zusätzliche Mineralfuttergabe und eine gewisse Ölmenge die Ration ausbalancieren und vor Einseitigkeit schützen kann. Vielen Müsli- und Pelletsorten wird Mais zugemischt, meist flockiert und gleicht dort zu hohe Eiweißgehalte aus. Hier sollte aber abgewogen werden, ob zum Beispiel Freizeitponies oder wenig gerittene Pferde überhaupt prinzipiell einen Energiebedarf in diese Richtung haben. Wer Müslifutter als Belohnung zufüttert, sollte hier trotzdem auf eine entsprechende Mineralisierung achten.

 

Dr. Susanne Weyrauch-Wiegand 2010 ©

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