Die Vitamin A Versorgung des Pferdes

ß-Carotin und Vitamin A

Für die Augen und die Schleimhäute

Vitamin A gehört zu den Zusatzstoffen, die man in nahezu jedem Mineral- und Ergänzungsfutter für Pferde findet. Das liegt eher an dem günstigen Preis für das synthetisch hergestellte Vitamin als am tatsächlichen Bedarf des Pferdes.

Vitamin A ist ein essentielles und fettlösliches Vitamin, welches von Natur aus vom Pferd als Vorstufe, nämlich ß-Carotin aufgenommen wird. Vitamin A ist nur in tierischen, nicht aber in pflanzlichen Futtermitteln enthalten.

Die Versorgung mit ß-Carotin gilt im allgemeinen als gedeckt. ß-Carotin ist reichlich vorhanden in frischem Gras und Karotten. Der Vitamin A-Gehalt im Heu variiert stark und hängt von der Dauer der Lagerung ab. In Heulage und Silage kommtes zu einem starken Abbau von ß-Carotin. Für eine naturnahe Ernährung des Pferdes als reinem Pflanzenfresser  spielt das ß-Carotin eine vornehmlichere Rolle als das Vitamin A, welches im Rahmen von Vitamin- oder Mineralstoffpräparaten zugeführt wird. Eine Zufuhr von Vitamin A aus natürlichen Quellen ist für das Pferd also nicht möglich.

ß- Carotin zählt zu den sogenannten Carotinoiden, von denen über 50 Arten eine Pro-Vitamin A-Wirkung haben. Die Carotinoide sind pflanzeneigene fettlösliche Farbpigmente, die die Pflanze aktiv vor zellschädigender Strahlung und damit Oxidation zu schützen. Die gleiche Aufgabe übernehmen Carotinoide nach dem Verzehr im tierischen Körper. Sie gelten als Radikalfänger.

Umwandlung in Vitamin A zinkabhängig

Die Umwandlung von ß-Carotin in Vitamin A erfolgt durch einen enzymatischen Aufschluss in der Dünndarmschleimhaut. Dabei werden aus 1 Milligramm ß-Carotin 400 IE (Internationale Einheiten) Vitamin A gewonnen.

Die Voraussetzung für die Umwandlung von ß-Carotin in Vitamin A das Vorhandenseins des Spurenelements Zink. Ist der Zinkbedarf des Pferdes nicht gedeckt, ist auch die Umwandlung von ß-Carotin in Vitamin A beeinträchtigt. Das bedeutet umgekehrt, dass Störungen, die auf einen Mangel an Vitamin A hinweisen, verdeckte Zinkmangelerscheinungen sein könnten.

Die Speicherung des fettlöslichen Vitamins erfolgt dann zu 90 Prozent in der Leber. Während Fleischfresser Vitamin A direkt über die Nahrung (zum Beispiel Leber) aufnehmen, ist das Pferd in der Natur auf die Aufnahme von ß-Carotin oder Vitamin A-haltige Ergänzungsfutter angewiesen. Kleinere Mengen werden in den Nieren, der Lunge und der Retina des Auges gelagert. Bei einer Überversorgung mit Vitamin A (Vitamin A -Hypervitaminose) wird Vitamin A auch im Körperfett gespeichert.

Die Funktionen von Vitamin A

Die größte Bedeutung erlangte Vitamin A durch seine Beteiligung an der Sehkraft. Es ist maßgebend für die Bildung des Sehpurpurs (Rhodopsin) in der Netzhaut. Damit kann sich das Auge der Dämmerung anpassen. Ein Vitamin A- Mangel in Verbindung mit Zinkmangel kann so zur Nachtblindheit und Sehstörungen führen.

Vitamin A hat entscheidende Funktionen beim Wachstum, dem Knochenbau und der Hufgesundheit. Daher ist bei Knochenbrüchen u.a. auf eine gute Versorgung mit Vitamin A zu achten, da positive Effekte auf den Heilungsprozess zu erwarten sind.

Vitamin A gilt als das "Epithel-Schutz-Vitamin"

Die Epithelschicht, auch Oberhaut genannt ist ein sehr zellreiches Gewebe und umschliesst sowohl innere als auch äußere Körperoberflächen. Es gehört zu den 4 Grundgewebsarten und schützt u.a. den Körper vor dem Eindringen von Bakterien. Seine Intaktheit ist integraler  Bestandteil eines gesunden Immunsystems. Die Epithelschicht ist nicht nur ein Schutzwall sondern gewährleistet auch den Stoffaustausch nach innen und außen. Vitamin A sichert die Neubildung der Epithelzellen und avanciert dadurch zum Schutzvitamin für die Schleimhäute der Atemwege, des Verdauungstraktes, der Harnwege und der Geschlechtsorgane. Bei einem Vitamin A-Mangel kann es Austrocknung, Verhornung, Abschuppungen und Verfärbungen der Schleimhäute kommen.

Für die Fruchbarkeit

Bekannt ist Vitamin A bzw. ß-Carotin für seine Bedeutung für die Fruchtbarkeit. Ein Mangel kann zur Verkleinerung der Keimdrüsen (Eierstöcke und Hoden) und damit zum Verlust der Fruchtbarkeit führen. Während der embryonalen Entwicklung kann ein Mangel zu Missbildungen bis hin zum Absterben der Frucht führen. Eine zusätzliche Versorgung mit ß-Carotin vor der Konzeption und während der Trächtigkeit wird daher empfohlen.

Leichte Bedrfsdeckung

Ein Pferd von 600 Kilogramm Körpergewicht benötigt etwa 7500 Internationale Einheiten (IE) Vitamin A je 100 Kilogramm Körpergewicht, also etwa 45000 IE pro Tag. So beträgt der Tagesbedarf eines Pferdes etwa 112 Milligramm ß-Carotin, die mit 2 Kilogramm frischem Weidegras oder zwei Kilogramm Karotten leicht gedeckt werden können. Tragende und laktierende Stuten haben einen höheren Bedarf (10000-15000 IE Vitamin A je 100 Kilogramm Körpergewicht) und Fohlen fast den gleichen Bedarf wie erwachsene Pferde.

Heu liefert nur begrenzt ß-Carotin

Weidegang ist wichtig

Dieser Bedarf spiegelt wider, wie wichtig für Zuchtstuten und Fohlen der Weidegang ist. Gras ist der ß-Carotin-Lieferant schlechthin. Es enthält je nach Alter und Zusammenspiel der Gras- und Kräutersorten, 30-75 Milligramm ß-Carotin je Kilogramm Frischsubstanz. Je verholzter das Gras ist, desto geringer ist der Gehalt an ß-Carotin.

Im Heu baut sich mit der Lagerung das ß-Carotin rapide ab, was eine extra Zufuhr im Winter, gerade an tragende Stuten notwendig machen kann. Überständiges Heu oder schlechte Heuqualitäten sind für eine ausreichende ß-Carotin-Versorgung nicht ausreichend. Für eine zusätzliche ß-Carotin Zufuhr im Winter sorgen daher Karotten, Rote Beete und Grünnmehl.

Eine Überversorgung mit ß-Carotin ist durch natürliche Futtermittel nicht möglich, da nur so viel Vitamin A aus ß-Carotin im Körper umgesetzt wird, wie gebraucht wird. Bei zusätzlichen Vitamin A – Gaben sollte der Bedarf nicht langfristig überschritten werden.

Dr. Susanne Weyrauch-Wiegand 2011 überarbeitet 2017©

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