Struvitsteine beim Hund -

Magnesiumeinschränkungen sind Unsinn

 

Struvitsteine sind neben Calciumcarbonat- oder Calciumphosphatsteinen eine Form von Harnsteinen wie sie bei Harnsteinleiden (auch beim Menschen) häufig vorkommen.

Harnsteine sind kristallartig mit scharfen Kanten und verursachen daher Schmerzen beim Wasserlassen, die beim Abgang der Kristalle natürlich extrem werden können.

Hunde und Katzen leiden nicht selten unter diesen aus Magnesium-Ammonium-Phosphat bestehenden Steinen.

Die chemischen Formel der Struvitsteine aus Ammoniummagnesiumphosphat lautet:

(NH4)Mg[PO4]·6H2

Im Gegensatz zu Calciumcarbonat oder Calciumphoshatsteinen darf man hier nicht von primär fütterungsbedingten Steinbildungen ausgehen und zum Beispiel irrigerweise die Versorgung mit Magnesium herunterschrauben.

Bakterien als Auslöser

Bei Harnwegsinfektionen können bestimmte Bakterienarten den im Urin enthaltenen Harnstoff in Ammoniak und Kohlendioxid spalten, was zu einem Anstieg an Bikarbonat und Ammonium führt. Da es zu einer Alkalisierung des Urins kommt kann relativ schnell Magnesium-Ammonium-Phosphat ausfallen.

Sekundär gesehen jedoch ist die Bildung von Struvitsteinen durchaus ernährungsbedingt, aber hierfür muss man tiefergehend forschen.

Während wir beim Hund eher von Magnesiummängeln als Überhängen ausgehen können besteht grundsätzlich beim Hund ein leichter Phosphorüberschuss über die fleisch- bzw. proteinlastige Ernährungsweise. Daher macht es - um die Herkunft von Struvitsteinen besser zu verstehen - Sinn, das Ammonium mehr in Augenschein zu nehmen.

Der Ammoniummechanismus

Ammonium ist grundsätzlich in der Natur das Abbauprodukt von Proteinen. Bei der bakteriellen Zersetzung von Protein in Blase oder Darm entsteht als Endprodukt Ammonium (siehe oben).

Desweiteren ist die Bildung von Ammonium ein Stoffwechselweg um die Ausscheidung und Entgiftung von Ammoniak zu ermöglichen, wenn der Harnstoffzyklus defekt ist. 

Bei einer Störung des Harnstoffzyklus kommt es zu Anflutungen von Ammoniak, weil die Entgiftung in den harmlosen Harnstoff nicht möglich ist. An dieser Stelle greift der Ammoniummechanismus! Er dient dann als kompensatorischer Weg, um Ammoniak über die Nieren (als NH4 +) auszuscheiden.

 

Harnstoffzyklus

Ammoniak entsteht in der Leber beim Umbau von Aminogruppen aus Proteinen. Dabei muss die Stickstoffgruppe entfernt werden. Damit die Entfernung der Stickstoffgruppe ohne Bildung des toxischen Ammoniaks erfolgt, gibt es den sogenannten Harnstoffzyklus.

Im Harnstoffzyklus entsteht durch Hydrolyse der Aminosäure Arginin und dem manganabhängigen Enzym Arginase der Harnstoff, der als ungeladenes wasserlösliches Molekül mit dem Urin ausgeschieden wird.

 

 

Trifft nun bei einem Hund zu, dass er auch ohne eine bakterielle Belastung Struvitsteine entwickelt, sollte man sich der Leber des Hundes annehmen und nicht vorbeugend Magnesium streichen. 

Die Anregung des Galleflusses, der Ausgleich eines Manganmangels und im schlimmsten Fall die Verringerung der Proteinzufuhr könnten Wege aus der Struvitbildung sein.
 
 
 

 

Dr. Susanne Weyrauch- Wiegand 2026©