Die Vitaminversorgung des Hundes

Vitamine gehören zu den Mikronährstoffen, die vorwiegend durch die Ernährungzugeführt werden müssen und daher als essenziell bezeichnet werden.  Bei den Vitaminen unterscheidet man die wasserlöslichen von den fettlöslichen Vitaminen.

Während sich die unterschiedlichen Spezies ( Mensch, Pferd, Hund) was die Spurenelemente betrifft relativ ähnlich verhalten, gibt es bei den Vitaminen doch frappierende Unterschiede.

Unterschiede zu den anderen Spezies

Zu den wasserlöslichen Vitaminen gehören Vitamin C und die Gruppe der B-Vitamine. Der Hund ist wie auch das Pferd in der Lage Vitamin C selbst zu bilden. Im Gegensatz zum Pferd ist der Hund jedoch nicht in der Lage Vitamin B im Darm zu synthetisieren, sondern ist darauf angewiesen, die B-Vitamine über das Futter aufzunehmen.

Bei den fettlöslichen Vitaminen gehört zu den ganz großen Unterschieden, dass der Hund im Gegensatz zu Mensch und Pferd angeblich nicht in der Lage ist, Vitamin D über das Sonnenlicht in der Haut zu bilden und ist somit auf eine kontinuierliche Aufnahme von Vitamin D auch im Sommer angewiesen. Das gilt ganz besondere für Welpen.

Vitamin A - keine Angst, wenn der Hund grüne Pflanzen frisst

Da Hunde in der Lage sind, das in grünen Pflanzen, in Möhren oder Süßkartoffel (100 g Süßkartoffeln enthalten 7,9 mg Beta-Carotin, das ist sogar leicht mehr als in Möhren ) vorkommende Beta-Carotin in Vitamin A umzuwandeln (vorausgesetzt der Hund leidet nicht unter einem Zinkmangel, denn Zink ist ein wesentlicher Cofaktor für die Bildung von Vitamin A aus Beta-Carotin), hat er immer wieder eine Möglichkeit dieses wichtige Epithelschutz-Vitamin zu sich zu nehmen. Allerdings ist der Bedarf mit 75-100 I.E. (Internationalen Einheiten) pro Kilogramm Körpermasse (250 I.E. beim heranwachsenden Hund pro Kilogramm Körpermasse) relativ hoch.  1 Milligramm Vitamin A entspricht 3333 I.E. und 6 mg Beta-Carotin. Extrem reich an Vitamin A sind die Speicherorgane Leber und Niere, die im Allgemeinen vom Hund selbst sehr gerne verzehrt werden.  Vitamin A hat eine große Bedeutung für das Knochenwachstum, den Sehvorgang sowie die Ausbildung der äußeren Haut,  der Schleimhäute (Lunge, Darm, Hand Geschlechtsorgane) und das Immunsystem.

Vitamin D - nicht nur bedeutend für Knochen und Zähne

Die tägliche Zufuhr von Vitamin D sollte beim erwachsenen Hund 10 I.E.  pro Kilo Körpermasse am Tag betragen. Die doppelte Menge wird erfordert, wenn der Hund noch im Wachstum ist oder bei der trächtigen Hündin. 10 I.E. entsprechen 0,25µg Vitamin D . Ein 10 kg schwerer, sich im Wachstum befindliche Hund benötigt daher ca. 5,0 µg pro Tag. Besonders reichen Vitamin D sind Fischprodukte. Ähnlich wie beim Menschen ist die Deckung des Bedarfs an Vitamin D nicht so einfach und bedarf oft einer Ergänzung.

Vitamin E - das Zellschutz-Vitamin

Zu den ganz großen Antioxidantien gehört das Vitamin E, das seinerseits wiederum  andere oxidationsempfindliche essenzielle Stoffe wie mehrfach ungesättigte Fettsäuren, Carotinoide oder auch bestimmte schwefelhaltigen Verbindungen vor der Zerstörung bewahrt. Besonders wertvoll ist es als natürliches Vitamin E, welches aus Pflanzenölen gewonnen wird. Der Bedarf an Vitamin E richtet sich beim Hund auch nach seiner Aktivität. Sporthunde benötigen extrem hohe Mengen von Vitamin E, ebenso auch Hunde die zu Herz- oder Beweglichkeitsproblemen neigen.  Während tierische Futtermittel relativ wenig Vitamin E enthalten, sind Getreidekeime und hochwertige Öle nützliche Lieferanten von Vitamin E. Der Bedarf des Hundes an Vitamin E liegt bei ca. 50 µg pro Kilo Körpergewicht. Wir können also davon ausgehen, dass ein agiler ausgewachsener Jack-Russel-Terrier mit ca. acht Kilo  Körpergewicht  einen Vitamin E Bedarf hat von ca. 0,5mg Vitamin E am Tag. Durch die überragende Bedeutung von Vitamin E als Antioxidants sind hohe Dosierungen, vor allem mit natürlichem Vitamin E unproblematisch. Natürliches Vitamin E ist bei Ergänzungsfuttermitteln dem künstlichen vorzuziehen.

Vitamin K - Knochenaufbau und perfekte Blutgerinnung

Obschon der Hund in der Lage ist, im gesunden Darm erhebliche Mengen an Vitamin K zu bilden ist der Bedarf des Jungtieres oder bei Hunden, deren Darmflora gestört ist durch eine exogene Zufuhr zu decken. Besonders reich an Vitamin K sind Fischmehle, Leber und alle grünen Pflanzenteile. Vitamin K hat eine enorme Bedeutung für den Knochenstoffwechsel  und für die Blutgerinnung. Hunde, die zu permanentem Durchfall neigen müssen daher besonders beachtet werden.

Die Vitamine des B-Komplexes - für Nervenstärke und Gelassenheit

Was die Wirkung und Bedeutung der Vitamine des B-Komplexes angeht, herrscht eine sehr starke Übereinstimmung zwischen dem Hund und dem Mensch. B-Vitamine müssen weitestgehend als essenzielle Nährstoffe durch die Ernährung zugeführt werden.

Der Bedarf an Vitamin B1 (Thiamin) beim ausgewachsenen Hund liegt bei ca. 20µg pro Kilogramm Körpergewicht. Der Bedarf bei Jungtieren liegt wesentlich höher. Die optimale Zufuhr würde durch den Magen-Darm-Inhalt von Pflanzenfressen erfolgen. Weniger ernährungsphysiologisch sinnvoll sind Hefe, Schweinefleisch und Mühlennachprodukte.

Roher Fisch enthält sogenannte Thiaminasen, die Vitamin B1 abbauen. Mangelsituationen zeigen sich in Fressunlst, Kotfressen, Herzkreislaufproblemen sowie  Störungen des Zentralnervensystems. Die Aktivierung von Vitamin B1 ist manganabhängig, daher dürfen Thiaminmängel nie alleine betrachtet werden.

Ahnlich verhält es sich mit dem Vitamin B2 (Riboflavin). Der Bedarf beim erwachsenen Hund beträgt 50µg je Kilogramm Körpergewicht. Da in den üblichen Futtermitteln wie Leber, Lunge, Vormägen und Milch reichlich Vitamin B2 vorhanden ist, sind Mangelerscheinungen wie Appetitlosigkeit, Muskelschwäche,  Hauterkrankungen und Hornhauttrübungen selten.

Vitamin B6 (Pyridoxin) wird durch Zink aktiviert und gilt als das  Nervenvitamin schlechthin. Der Bedarf wird auf 60µg je Kilogramm Körpergewicht angesetzt.  Kaltgepresstes Leinöl kann den Bedarf an Vitamin B6 erhöhen.

Vitamin B12 (Kobalamin) zeichnet sich dadurch aus, dass dieses Molekül ein Spurenelement und zwar Kobalt als Cofaktor enthält. Mangelerscheinungen treten nur bei den Tieren auf die entweder genetisch (Riesenschnauze) betroffen sind,  oder der Damm geschädigt ist. Die Zufuhr sollte bei  0,5 bis 1µg pro Kilogramm Körpergewicht liegen. Vitamin B12 hat eine sehr große Bedeutung für die Lebergesundheit. Auch hier sind Hunde, die zu chronischem Durchfall neigen gefährdet, in eine Mangelsituation zu geraten.

Der Bedarf an Pantothensäure liegt beim erwachsenen Hund bei 200 µg pro Kilogramm Körpergewicht und ist im Normalfall durch die Fütterung gut gedeckt. Mangelerscheinungen zeigen sich in  Appetitverlust, Haarausfall, Durchfall oder nervösen Störungen.

Der Bedarf an Nikotinsäure richtet sich nach dem Angebot an hochwertigen Eiweißen  in der Fütterung.  Der Bedarf zwischen 200 und 450 µg pro Kilogramm Körpergewicht. Mangelerscheinungen entstehen durch eine zu getreidehaltige Fütterung und zeigen sich in Veränderungen von Haut- oder Schleimhäuten. Eine Überversorgung ist nicht zu erwarten.

Biotin kann auch beim Hund als das Vitamin für glänzendes Fell gutes Krallenwachstumbetrachtet werden. Mangelerscheinungen  zeigten sich auch durch Ergrauen der Haare, Haarausfall, Verhornungsstörungen und Schuppenbildung mit Juckreiz. Der Bedarf an Biotin liegt zwischen 2 und 4µg pro Kilogramm Körpergewicht.

Die Versorgung mit Folsäure beim Hund scheint prinzipiell gesichert zu sein, der Bedarf  liegt bei 4 µg pro Kilogramm Körpergewicht. Die Zufuhr an Folsäure erfolgt durch grüne Pflanzenteile,  Hefe und Leber.

Wann ist der Vitaminbedarf des Hundes besonders zu beachten?

Ältere, junge, geschwächte oder Hunde in der Rekonvaleszent profitieren von einer gerne auch kurmäßigen Unterstützung mit Vitaminen. Hunde, denen ein größerer Transport bevorsteht gehören ebenso dazu wie Hunde, denen einer Operation bevorsteht.

 

 

 

Dr. Susanne Weyrauch Januar 2017 ©

 

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