Fohlenaufzucht Fütterung

Fohlenaufzucht

Fohlen und Jährlinge bedarfsgerecht füttern

In der heutigen Zeit ist es nicht schwierig, ein Pferd mit besonders guter Abstammung zu erstehen. Genetisch besteht das Potenzial für hochklassige Reitpferde mit enormer Rittigkeit und hoher Sensibilität. Die Frage, die sich jedoch stellen muss ist, kann man diese blutgeprägten Pferde immer noch so füttern wie vor 20 Jahren? Oder gehen wir noch einen Schritt weiter: Können wir diese Pferde noch füttern wie vor 100 Jahren?

Welche Faktoren führen zudem zur Ausprägung bestimmter Charaktereigenschaften? Welche Rolle spielen dabei die epigenetischen Faktoren wie Haltung und Fütterung?

Haltung von Vollblütern als Vorbild

Vorbildlich ist wie eh und je die Aufzucht und die Ernährung von Vollblütern auf riesigen Arealen, die den Stuten erlauben, auf diesen hochgepflegten unendlich scheinenden Weiden Gras aufzunehmen. Das Thema Futterqualität spielt in der Aufzucht von Vollblütern eine extrem große Rolle. Silage oder Heulage sind verpönt und als Kraftfutter gilt der Schwarzhafer als das Nonplusultra. Letztendlich zielt diese qualitätvolle Grundfütterung auch auf eine Schonung der Leber der jungen Leistungspferde hin und kann nur voll bestätigt werden.

 

Fohlenfütterung

 

Im Gegensatz dazu sieht es in der Warmblutzucht nicht immer so aus. Begrenzte Weideflächen, beschränkte Futterqualitäten und vielerorts zu wenig Bewegung über die Winterzeit begrenzen das eigentlich vorhandene genetische Potenzial. Die Gefahr besteht, dass das genotypisch vorhandene Potential sich nicht phänotypisch ausprägt.

Erschreckender Weise nimmt die Anzahl junger heranwachsender Pferde, die mit Silage oder Heulage aufgezogen wurden zu. Eine durch die Aufnahme von biogenen Aminen gekennzeichnete Aufzucht belastet langfristig die Leber und kostet wertvolle Nährstoffreserven, die das sich voll in der Entwicklung befindliche Lebewesen zu Stärkung des Bewegungsapparates und des Immunsystems benötigt.

Ist der Nährstoffbedarf des Absetzers gedeckt?

Inwieweit kann der Nährstoffbedarf des Jungtieres durch einfache Mineralfutter gedeckt werden? Ein Warmblutfohlen, dessen Körpergewicht als erwachsenes Pferd  bei ca. 600 Kilo liegen soll wiegt zwischen dem sechsten und zwölften Lebensmonat etwa durchschnittlich 300 Kilogramm. Diese Zahl ist für die Nährstoffermittlung von großer Bedeutung.

Der Eiweißbedarf wachsender Fohlen liegt in den ersten Lebensmonaten bei 3 Gramm je Kilogramm Körpergewicht und fällt dann auf ca. 1 g ab. Daher wird der Eiweißbedarf eines Absetzers auf ca.  610 Gramm verdauliches Rohprotein eingeschätzt.

Die Nahrungsgrundlage des Absetzers sind Heu und Gras, von denen er, um den Proteinbedarf zu decken, mindestens 6 Kilogramm am Tag aufnehmen wird. Bei einem Proteinanteil von ca. 50 Gramm je Kilogramm liegen wir bei 300 Gramm Eiweiß. Eine Haferfütterung mit wenigstens ein bis zwei Kilo Hafer am Tag (ca. 85g Rohprotein) verbessert die Situation auf ca. 410 Gramm.

Deckung des Calcium- und Phosphorbedarfs

Der Bedarf an Calcium beim Absetzer liegt im Alter zwischen dem siebten und zwölften Lebensmonat mit 39 Gramm am Tag am höchsten. Bei einer Fütterung von angenommenen 6 Kilogramm Heu bzw. Gras (4,5g Calcium pro Kilogramm) ist offensichtlich eine Zulage an Calcium erforderlich. Der Phosphorbedarf liegt bei 21 Gramm pro Tag, der durch Heu und Gras nur ungenügend gedeckt wird (2,5 Gramm Phosphor pro Kilo). Hier leistet der Hafer mit 3,2 Gramm Phosphor einen guten Beitrag.

Jährlingsfütterung

Der Wermutstropfen - das große "Aber"

Die Ermittlung des Eiweiß-, Calcium- und Phosphorbedarfs von Nutztieren gehörte zu den ersten Erungenschaften der Ernährungsphysiologie. Erst viele Jahre später wurden die Nährstoffwerte für Magnesium oder die Spurenelemente ermittelt.

Es ist daher nicht ausgeschlossen, dass unter Berücksichtigung der perfekten Deckung des Magnesium- und Spurenelementbedarfs niedrigere Bedarfswerte an Calcium und Phosphor sowie Eiweiß denkbar sind. Prinzipiell fraglich sind auch die dargebotenen anorganischen Calcium- und Phosphor-Verbindungen in handelsüblichen Mineralfuttern. Dabei spielen nicht nur deren Resorptionsfähigkeit eine Rolle sondern auch mögliche Verdrängungsreaktionen die wiederum zu einer geringeren Versorgung mit Spurenelementen führen können.

Magnesium ist das bessere Calcium

Der Magnesiumbedarf ist beim wachsenden Fohlen nicht zu unterschätzen. 12 % des gesamten Magnesiums befindet sich im Knochen, der spätere Einsatz als Sportpferd verlangt einen gewissen Speicher, der bereits sehr früh gefüllt sein sollte. Der Bedarf beträgt mindestens 20 mg pro Kilo Körpermasse und kann daher ab 8 Gramm am Tag als gedeckt verstanden werden. Qualitativ hochwertiges Heu enthält ca. 2 Gramm Magnesium pro Kilo, daher gilt der Bedarf an Magnesium als gedeckt. Unberücksichtigt bleiben hier allerdings schwankende Magnesiumgehalte im Heu und ein möglicherweise erhöhter Nährstoffbedarf durch die Anforderungen an das heutige genetische Potenzial. Da in der Aufzucht im allgemeinen die finanziellen Mittel begrenzt sind, greift der Pferdezüchter auf handelsübliche Mineralfutter zurück. im Allgemeinen liegt hier das Magnesium in der Form einer Oxid-Verbindung vor, ein raumsparendes, einfach gestricktes Molekül, dessen Verfügbarkeit für den Körper allenfalls in schweren Mangelzuständen gesichert ist und dessen Nährstoffverfügbarkeit zwar im Blut, nicht aber unbedingt im Gewebe nachgewiesen werden kann.

Spurenelemente in der Aufzucht moderner Sportpferde

Eine Sicherung des Spurenelementbedarfs bereits in der Mutterstute, in der Laktation sowie der Fohlenaufzucht macht unbedingt Sinn. Fast schon als alten Hut darf man die Studien benennen, die die Entwicklung von Knorpelschäden bei Fohlen aufgrund eines Kupfermangels bestätigt haben. Auf eine bedarfsgerechte Zinkversorgung zu verzichten hat für den Aufzüchter unnötige Tierarztkosten zur Folge. Fohlenwarzen, Mauke, Bronchitiden, Infekte, Wundheilungsstörungen und schließlich Kastrationsprobleme sind die offensichtlichen Anzeichen für einen Zinkmangel in der Aufzucht.

Nährstoffmängel im Bereich Mangan führen zu Sehnen-Stelz-Füßen, Gelenksdeformationen, Minderwachstum oder Überbeinen. Eine gute Selen-Versorgung stärkt das Herz und Muskulatur sowie das Immunsystem des jungen Pferdes.

Absetzen eines Fohlens als Nährstoff-GAU

Fellwechsel Fohlen und JährlingEine besondere Herausforderung an eine hochwertige und bedarfsgerechte Ernährung des Fohlens stellt das Absetzen und damit der Trennung von der Mutter, einhergehend mit dem Verlust der Muttermilch, dar.

Dabei steht im allgemeinen der erste Transport und die Integration in eine Fohlengruppe an. Das Fohlen erfährt sowohl psychisch als auch physisch einen ersten Schock, der sich wie alle belastenden Ereigenisse in einem erhöhten Nährstoffe darf zeigt, der mit einem normalen handelsüblichen Mineralfutter nicht einmal annähernd ausgeglichen werden kann.

Kompettes Umdenken möglich?

Nicht alles muss geändert werden. Ein Blick zurück in die Pferdehaltung vor 100 Jahren zeigt, wie wichtig eine hohe Qualität des Grundfutters für das heranwachsende Pferdematerial schon immer war. Keine Literatur verzichtet auf den Hinweis, dass Pferde ganz andere Ansprüche an die Qualität der Grundfütterung als Rinder oder Schweine haben.

Aufgrund des veränderten Bewegungspotenzials, der möglichen Leistungsfähigkeit und nervlicher Sensibilität der heutigen Sportpferde sollten jedoch die chemischen Grundlagen der Mineralisierung komplett überdacht werden.

 

Foto: fotolia: #212932015 | Urheber: Countrypixel

                        #206703923 | Urheber: mavcon

 

Dr. Susanne Weyrauch-Wiegand November 2017

 

 

 

 

 

 

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