Sehenschäden beim Pferd

Sehnenschaden beim Pferd -

wenn sich der Bogen überspannt

Ein Sehnenschaden beim Pferd bedeutet nicht nur für das Pferd eine lange Stehzeit, verbunden mit etwaigen Schmerzen und Muskelabbau sondern auch für den Besitzer eine hohe emotionale Belastung. Es ist hinreichend bekannt, dass die Heilung von Sehnengewebe vergleichsweise lang dauert und mit Narbenbildung einhergehen kann.

In den häufigsten Fällen sind die oberflächliche Beugesehne, die tiefe Beugesehne oder der Fesselträger betroffen. Auch eine Schädigung der Strecksehne ist möglich. Der Tierarzt stellt durch Palpation oder Ultraschall fest, wo sich der Schaden befindet und schätzt das Ausmaß des Schadens ein.

Der langwierige Heilungsprozess ist dem geweblichen Aufbau des Sehnengewebes geschuldet. Sehnen bestehen vorwiegend aus festem Bindegewebe und bilden das Bindeglied zwischen Muskeln und Knochen. Die Grundstruktur zeichnet sich durch parallel angeordnete Kollagenfasern, die wiederum in Bündeln organisiert sind, aus. Wenn ein Schaden entsteht, zerfleddern diese korrekt angeordneten aus vorwiegend Kollagen bestehenden Strukturen. Es dauert mehrere Wochen, bis sich die Fasern wieder nebeneinander und aneinander ausgerichtet haben.

  • Heilung des Sehnenschadens langwierig

Die Heilung von Sehnenschäden ist langwieriger als die von Muskelschäden, da weniger Nerven und Blutgefäße vorliegen. Da macht den Nährstofftransport und die Regeneration zeitintensiv. Der Nährstofftransport erfolgt nämlich durch Diffussion. Eine Anregung der Diffussion kann durch Wärme- oder Kälteanwendungen erfolgen.  Bewegung würde den Nährstofftransport zwar verbessern, muss aber den Umständen und in Absprache mit dem Tierarzt angepasst werden.

  • Aufbau des Sehnengewebes

Sehnen bestehen aus Sehnenzellen (Tenozyten) in einer Extrazellulären Matrix (Interzellularsubstanz). Wie bei allen Bindegeweben üblich ist der Anteil an lebenden Zellen an ihrer Masse relativ gering ist. Sehnen bestehen stattdessen zu einem größeren Teil aus Strukturen, die zwischen den Zellen liegen (intrazelluläre Matrix). Die Zwischenzellmasse von Sehnen enthält hauptsächlich parallel verlaufende Fasern aus Kollagen. Diese Bindegewebsfasern sind zu Bündeln zusammengefasst und fest miteinander verbunden. Verschiedene Kollagenfasern ergeben ein sogenanntes Faszikel, welches von Nerven- und Blutgefäßen umgeben ist. Diese Struktur ist besonders reißfest und widerstandsfähig. Die Sehne selbst besteht aus 68%  Wasser und Tenocyten, 30 % Kollagen des Typ I und 2% Elastin.

  • Sehnenschäden müssen nicht nur traumatische Verletzungen sein. Degenerative und verschleißbedingte Veränderungen können ebenso nachhaltig die Struktur beeinträchtigen. 
  • Verharzung des Bindegewebes

Bei degenerativen Veränderungen der Sehnenstruktur ist nicht selten ein bereits langwieriger Nährstoffmangel Verursacher, der die Regeneration des Gewebes  verhindert hat, sodass es zu einer regelrechten "Verharzung" des Bindegewebes geführt hat.

 

Erschwerend bei der Heilung von Sehnenschäden können Fehlstellungen, Blockaden und Verspannungszustände sein. Diese Faktoren sind bei der Hufbearbeitung,  im Rahmen der physiotherapeutischen Behandlung des Pferdes und in der Ernährung  zu beachten. Unabhängig von Methoden, die die Heilung des Sehnengewebes beschleunigen sollen obliegt es letztendlich dem Körper und seinen vorhandenen Bausteinen, ob und wann die Sehne vollständig ausgeheilt ist.

  • Zeit der Ruhe nutzen

Nach der Diagnosestellung ist im Allgemeinen zunächst Boxenruhe angesagt. Mittlerweile weiß man jedoch, dass in Absprache mit dem Tierarzt je nach Schaden das vorsichtige Bewegen im Schritt für den Nährstofftransport und zur Ausrichtung der kollagen Fasern angegangen werden muss.

 

In der Zwischenzeit besteht  für den Pferdebesitzer die Möglichkeit, das Pferd so zu füttern,  dass eine möglicherweise vorher verspannte Muskulatur wieder ausreichend Nährstoffe zur Verfügung gestellt bekommt.

 

Ebenso besteht für den Pferdebesitzer in dieser erzwungenen Ruhephase die Möglichkeit etwaige schon vorher vorhandene Nährstoffdefizite, die durchaus erst zum Sehnensschaden geführt haben, systematisch auszugleichen. Besonders betroffen können die Nährstoffe Magnesium, Mangan und Selen sein.

  • Bedeutung von Magnesium in der Regenerationsphase

Die Sehne besteht prinzipiell aus drei Anteilen: der Sehneninsertion (Verbindung von der Sehne zum Knochen), die im Knochen sehr gut verankert sein muss, dem Midportionbereich (reines Sehnengewebe) und dem Muskel-Sehnen-Übergang, bei dem die Sehne auch ausgedehnte intramuskuläre Anteile (Beispiel Fesselträger) haben kann. Sie dient der Überleitung der durch den Muskel produzierten Kraft und der Kraftspeicherung im Sinne einer Feder. Spannungszustände in der Muskulatur haben daher auch eine direkte Auswirkung auf den Stress der Sehne. Eine Lockerung des Muskelgewebes schwächt den Druck auf die zu heilende Sehne ab, was für die Heilung von Vorteil ist.

 

Hier spielt u.a. das Mengenelement Magnesium  eine zweifach wichtige Rolle, denn ein Nährstoffmangel an Magnesium führt sowohl zu einer Verspannung der Muskulatur und damit auf einen mechanischen Zug auf das Sehnengewebe als auch zu einer erhöhten Unruhe des Pferdes, die gerade während einer Stehphase den Heilungsverlauf stört.

  • Nährstoffe für die Bindegewebsregeneration

Die Regeneration des Bindegewebes ist abhängig von verschiedenen Nahrungsbausteinen. Dazu gehören auch die Proteoglykane Glucosaminsulfat und Chondroitinsulfat als wichtige wasserbindende  Elemente der Matrix, die die Kollagenfasern in den Sehnen umgeben. Vitamin C, welches vom Pferd selbst gebildet wird oder in Hagebutten reichlich vorhanden ist sowie Kupfer tragen zu einer forcierten Kollagenbildung bei, während Mangan vor allem die Proteoglykansynthese unterstützt.

 

Als besonders problematisch gelten Verkalkungen im Insertionsbereich, also beim Übergang von den ausgerichteten Kollagenfasern über nicht kalzifizierten Faserknorpel hin zu den kalzifizierten Faserknorpeln und schließlich zum Knochen hin (Beispiel Nackenbandverkalkungen), die eine Beachtung des Magnesium- aber auch Mangangehalts im Blut erfordern. Solche Prozesse sind durchaus reversibel.

 

Siehe dazu auch: Das Geheimnis des Bindegewebes und alles zum Thema: Fesselträgerschaden. Pferde, die zu Boxenruhe verhaftet sind: Boxenruhe und Interessantes zum Thema Knochen und Sehnenheilung

  • Kollagen - Baustein für starke Gewebsstrukturen

Kollagen macht bei Pferden ca. 25 % des Gesamtproteins aus. Eine Besonderheit des Kollagens  sind die hohen Gehalte an den Aminosäuren Glycin, Prolin, Hydroxyprolin und Hydroxylysin. Die Peptidketten des kollagenen Bindegewebes enthalten an jeder dritten Stelle Glycin und sind auch mit Kohlenhydraten, wie zum Beispiel Glucose und Gallatose, verbunden. Kollagen ist aus drei Peptidketten aufgebaut, einer sogenannten Tripelhelix.

 

Kollagen wird im Normalfall in den Bindegewebszellen vor Ort in Abhängigkeit von Vitamin C gebildet (was beim Pferd nicht als essentieller Nährstoffe gilt),  durch die Zellmembran ausgeschieden und schließlich zu Kollagenfasern zusammen gelagert. Kollagen ist quellbar, jedoch nicht löslich. Eine charakteristische Eigenschaft von Kollagen ist das Schrumpfen beim Erhitzen (Achtung Bandagieren bei heißem Wetter > 60°C).

 

Möglicherweise hat die Fütterung von Kollagenpeptiden an Pferde eine Auswirkung auf eine schnellere Rekonstruktion des kollagenen Bindegewebes und damit der Stabilität.

  • Heilung der Sehne

Die Heilung des Sehne verläuft in verschiedenen Remodellierungs- und Reparationskaskaden ab, dabei folgt einer entzündlichen Phase der Abbau vorhandener Hämatome, gefolgt von einer instabilen Phase mit Bildung von Granulationsgewebe. Nach ca. vier Wochen ist die kollagenbildende Phase eingeleitet und es kommt zu einer Koordination der Kollagenfasern. Jetzt können Bewegungsreize gesetzt werden. Rückschritte können durch Degenerationen der kollagenen Fasern oder aber auch durch das Versagen eines Wiederaufbaus möglich sein. 

Gerade an dieser Stelle zeigt sich, wie wichtig die zuverlässige bedarfsgerechte und vielleicht auch noch darüberhinaus gehende Nährstoffversorgung eines Pferdes  mit nichtenergieliefernden Nährstoffen in der Phase der Regenerations- bzw. Stehzeit ist. Daher sollte der Zeitraum der Rekonvaleszenz aufgrund eines Sehnenschadens genutzt werden, die Mineralstoffzufuhr qualitativ zu überprüfen und etwaige Mängel in dieser Zeit großzügig auszugleichen. Ebenso hat sich der nutritive Einsatz von körpereigenen Nährstoffen (Glucosaminsulfat, Kollagen) und Kräutern und Wurzeln bewährt.

 

Dr. Susanne Weyrauch Wiegand Mai 2019©

 

 

 

 

 

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