Kaltblüter und Quarter sind gefährdet

PSSM - Die Polysaccharid-Speicher-Myopathie

Auf was es bei der Fütterungsumstellung ankommt

Am anfälligsten für diese Erkrankung beim Pferd hatten sich zunächst Quarterhorses und Kaltblüter gezeigt, mittlerweile wird aber auch bei allen anderen Rassen dieses Phänomen festgestellt, von dem wir hier an dieser Stelle lieber als Symptom sprechen wollen.

Eine verminderte Belastbarkeit der Muskulatur, Muskelschmerzen, Muskelversteifungen und/oder Krämpfe können ein Grund sein, beim Pferd "PSSM" zu diagnostizieren. Die Polysaccharid-Speicher-Myopathie zeigt sich bei Pferden auch durch Müdigkeit, Unwilligkeit und großer Mühe sich zu bewegen.

Glucose wird im Allgemeinen als sogenannte tierische Stärke (Glykogen) in jedem Muskel als Energiespeicher eingelagert. Bei Belastung wird Glykogen durch das Hormon Glucagon in Glucose gespalten. Glucose dient dann als Treibstoff für die Freisetzung von Energie (ATP-Synthese). 

Bei der Erkrankung PSSM wird angenommen, dass das Pferd nicht in der Lage ist, Stärke und Zuckerverbindungen vollständig zu verstoffwechseln. Das Glykogen verbleibt im Muskel und der Muskel hat keine Möglichkeit Energie aus der tierischen Stärke zu gewinnen. Während moderate Muskelbelastungen gut verträglich sind, können stärkere Ansprüche an die Muskulatur jene schädigen und zum Muskelabbau (Rhabdomyolyse), und damit zu einer Nierenbelastung führen. Die CK- sowie die Harnsäurewerte können erhöht sein.

Nach Valberg (1999) soll die Ursache für PSSM in einer durch einen enzymatischen Defekt  bedingten gesteigerten Glykogensynthese liegen.

Die tierärztliche Diagnose PSSM gilt als vernichtend. Der Patientenbesitzer erhält durch die Begründung " ist genetisch bedingt" ein vermeintlich unumstößliches Urteil.

Als "Therapie" wird eine Ernährungsumstellung empfohlen. Es wird auf Stärke und Zucker verzichtet, der Rohfaseranteil in der Futterration wird erhöht und mehr Öl zur Energielieferung eingesetzt. Diese Maßnahmen bringen dem PSSM Pferd eine teilweise Erleichterung im Muskelstoffwechsel, sind ein erster Schritt in die richtige Richtung.

Die Epigenetik führt uns zur Nährstofftherapie

Dass Ernährungsmaßnahmen einen Einfluss auf die Auswirkung genetischer Defekte haben ist bekannt. Enzyme lassen sich laut den Forschungen der Epigenetik tatsächlich stimulieren. Umgekehrt gilt aber auch: Der Mangel an einem Cofaktor bremst die Wirkung eines Enzyms!

Ein vorrangiger Denkansatz wäre vor einer Biopsie die einfache und schmerzlose Überprüfung des Manganstatus beim PSSM-Pferd. Ein Manganmangel liegt vor, wenn die Werte unter 1,5 µg/l liegen.

Bei mehr als 30 angeblichen PSSM-Patienten wurde das Blut getestet. Dabei wurde darauf geachtet, mindestens 3 bis 4 Tage vor der Blutabnahme kein mineralisiertes Futter zu füttern). Sämtliche Probanden hatten Manganwerte zwischen 0,8 bis 1,2 µg/l , was eindeutig zu wenig ist.

Manganstatus beim PSSM Pferd testen

Durch die Fütterung von Mn Mangan über 10 Tage in doppelter Dosierung (60g pro Pferd und Tag), kann man bei betroffenen PSSM-Pferde eine deutliche Verbesserungen in der Beweglichkeit und Lebenslust feststellen. Trifft dieser Fall ein, muss in jedem Fall Mangan im Vergleich zu den anderen Spurenelementen höher dosiert werden. Empfehlenswert ist dann Nr. 4 Goldwert zu Mn Mangan im Verhältnis 1 : 1 oder je nach Fall 1:2. Damit verhindern wir eine langfristige Verdrängung der Spurenelemente Zink, Kupfer, Selen, Eisen, Cobalt oder Jod. Alternativ empfiehlt sich die kontinuierliche Gabe von Nr. 19 Mordskerl als Mineralfutterersatz nach dem erfolgreichen Test.

Kein Chrom bei PSSM?

In einigen Beiträgen im Netz und den sozialen Netzwerken wird immer eine Warnung vor der Gabe von Chrom an Pferde, die an PSSM erkranken, ausgesprochen. Hierbei fehlen zunächst grundsätzlich Mengenangaben, wieviel Chrom einem Pferd mit PSSM angeblich schaden würde. 

Da etwaige Untersuchungen in den USA vorgenommen worden, in denen die tägliche Zufuhr an Chrom leicht Mengen von  5 - 10 mg am Tag überschreiten, und laut unserem Futtermittelgesetz eine Chromzufuhr nicht erlaubt ist, werden hier eindeutig Äpfel mit Birnen verglichen.

Auch die Menge an Chrom in Hefe und Kräutern ist verschwindend gering und könnte wenn, dann nur den untersten Bedarf an Chrom decken. 1 Kilogramm Hefe enthält 2mg Chrom, was dem Tagesbedarf des Pferdes entsprechen würde. Aber kein gesund denkender Mensch würde einem Pferd täglich so große Mengen an Hefen zumuten.

Abgesehen davon ist Chrom ein essenzieller Nährstoff, was bedeutet, dass eine chromfreie Ernährung ( was natürlich physiologisch überhaupt nicht möglich ist) langfristig den Tod des Lebewesens bedeuten würde.

Manchmal stellt sich die Frage, ob vor Mutmaßungen nicht Zahlen und die gute alte Mathematik stehen sollten.

 

Dr. Susanne Weyrauch© Mai 2011 - überarbeitet Dezember 2018


 

 

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