Wenn der Magen streikt

Schmerzen und Stress als Auslöser nicht selten

Angeblich leiden heutzutage 50% aller untersuchten Pferde an Magenerkrankungen. Während dies früher eher ein Problem jung antrainierter Vollblüter war, wird heute mit Hilfe der Gastroskopie - und auch gerne auf Verdacht - selbst beim angeblich gechillten Freizeitpferd immer häufiger die Diagnose chronische Gastritis (chronischer Magenkatarrh) gestellt.

DVollblüter Magengeschwüreie Folge der chronischen Magenschleimhaut-Entzündung können Magengeschwüre sein. Der Tierarzt wird schnell hochpreisige Medikamente für eine dauerhafte Anwendung empfehlen. Deren Wirkung ist unbestritten, aber Nebenwirkungen sind hier unvermeidbar. Besser wäre in jedem einzelnen Fall die Forschung nach Ursachen für die Entgleisungen der Magengesundheit in Hinblick auf die langfristige Pferdegesundheit.

Wie äußern sich Magenprobleme beim Pferd?

Magenprobleme können sich zunächst in schlechter Futteraufnahme äußern. Die Pferde gehen erst mit Appetit an das Futter, brechen aber nach kurzer Zeit die Futteraufnahme wieder ab. Dazu kommen Müdigkeit, apathisches Verhalten, vermehrtes Schlecken und Flehmen. Übler Geruch und Gewichtsabnahme können weitere Anzeichen sein (O.Dietz, B. Huskamp, "Handbuch der Pferdekrankheiten", Enke Verlag 1999). Typisch ist auch häufiges Gähnen. Mit der Zeit kann es auch zum Verust von Körpergewicht kommen.

Fütterungsursachen für Magenschleimhautreizungen

Zu den Ursachen für eine entzündete oder sogar ulcerisierenden (geschwürige) Magenschleimhaut kann eine unsachgemäße Fütterung zählen. Schimmeliges oder bakteriell verunreinigtes Raufutter sowie Heulage und Silage können ebenso zu den Auslösern zählen wie Nüchternzeiten von über 8 Stunden. Die in Heulage, Silage und qualitative schlechtem Heu entstandenden Histamine können die Säurebildung im Magen regelrecht anfeuern.

Auch die längerfristige Gabe von organischen Schwefelverbindungen (MSM - Dimethylsulfon) kann die sensible Magenschleimhaut des Pferdes reizen. Dies ist den meisten Besitzern nicht bewusst und nach längerfristigen Gaben von MSM sprechen überwiegend viele Pferdehalter davon, das Pferd hätte einen "sensiblen" Magen.

Hastiges Fressen mit einer zu geringen Einspeichelung des Futters und zu große Getreidemenge (mehr als 1,2 kg reine Stärke  (entsprocht ca. 4 kg Hafer) - pro Mahlzeit beim Großpferd) sind ebenso als mögliche Auslöser für Magengeschwüre und chronisch degenerierte Magenschleimhäute zu nennen. Das wird als Ursache jedoch immer seltener beobachtet, da die Bedeutung von Raufutter und angepassten Getreidemengen für das Pferd mittlerweile allgemein bekannt ist.

Immer weniger jedoch ist aufgrund der steigenden Achtsamkeit der Pferdebesitzer die Fütterung der Auslöser für die Magenprobleme.

Durch die Tatsache, dass Pferde im Gegensatz zu anderen domestizierten Tieren wie Hunden, Kühen, Schweinen oder vielen anderen keine Schmerzlaute von sich geben, wird die Entwicklung von Magenentzündungen lange übersehen.

Stressbedingte Ursachen

Körperlicher und seelischer Stress, zu wenig Ruhe beim Fressen oder zu geringer zeitlicher Abstand zwischen Arbeit und Fressen können Magenprobleme auslösen. Stress kann auch bei Freizeitpferden in der Offenstallhaltung eine Ursache für Magenprobleme sein. Zu viele Pferde in der Gruppe, zu dominante Herdenchefs und zu wenig Rückzugsorte für einen entspannten Schlaf sind hier zu nennen.

Rein körperlicher Schmerz als tatsächlicher Auslöser für Magengeschwüre häufig

Ein komplett anderer Denkansatz wird leider allzu oft von Tierärzten bei der Diagnose des Magenpatienten vernachlässigt und so schnell ein Protonenhemmer (sogar prophylaktisch) verschrieben. Diese lösen mit Sicherheit zwar das vordergründige Problem, sind aber mit deutlichen Nebenwirkungen behaftet. 

Es ist kein Geheimnis, dass die Gabe von Medikamenten zwar hilft, aber mit Nebenwirkungen einhergehen kann. Beim Menschen kann die Gabe von Protonenhemmern zu folgenden Nebenwirkungen führen: Magen-Darm-Beschwerden , Geschmacksstörungen, Kopfschmerzen, Schwindel (Vertigo), Sehstörungen, Hautausschlag oder Juckreiz, Lichtempfindlichkeit der Haut,  Schlafstörungen, Müdigkeit, Tinnitus, Schwitzen, Haarausfall, Gutartige Geschwülste an der Magenschleimhaut, Veränderung der Leberwerte oder Wassereinlagerungen an Armen und Beinen.

Dazu ist wissenwert, dass Protonenpumpen in den Mitochondrien aller Zellen lokalisiert sind und dort eine ihrer wesentlichen Funktionen die Mithilfe bei der Erzeugung von ATP für die Atmungskette und damit auch den Muskelaufbau ist.

Pferde ertragen Schmerz wortlos

Pferde sind in der Lage, auch große Schmerzen - vor allem im Bewegungsapparat - im wahrsten Sinne wortlos lange Zeit hinzunehmen, da Pferde im Gegensatz zu Hunden keine Schmerzlaute (außer im bittersten Ende) von sich geben. Das wiegt nicht wenige Pferdebesitzer in dem Glauben, ihr Pferde hätte keine Schmerzen.

Die Konsequenz dieses stillen Ertragens kann sich in der Ausbildung von Magengeschwüren widerspiegeln. Beispiele solcher Auslöser sind meist nichtdiagnostizierte Formen von Huflederhautentzündungen, Fühligkeit (nicht jedes Pferd ist in der Lage, schmerzfrei barfuß zu gehen), Kissing Spines, Spat, Arthrose oder aber auch heimtückische Zahnprobleme.

Zusätzlich können schwere Blockaden, Muskelverspannungen und körperliche Übersäuerung die Ausbildung von Magengeschwüren fördern. Siehe dazu auch: Arthrose oder Muskelverspannung.

24 Stunden Heu ist nicht immer die Lösung

Aus Angst, das Pferd könnte Magenprobleme entwickeln, versuchen sehr viele Pferdehalter, dem Pferd 24 Stunden täglich Heu anzubieten, um das Pferd am Kauvorgang zu halten. Durch den Kauvorgang fließt Speichel und damit im Speichel enthaltene körpereigene Schmerzmittel (Opiorphine) in den Magen.

Bei nicht optimaler Heuqualität ist jedoch die 24 Stunden-Heu-Fütterung gerade eine geniale Basis zur Entwicklung von Magenproblemen, da auch die Menge an etwaigen Schimmelpilzen, Mykotoxinen und Biogenen Aminen (Histamin et al.) ansteigt und den Magen und auch Leber überbeansprucht.

Zwischen Ursache und Wirkung unterscheidend sollte hinterfragt werden, ob hier nicht mehr Augenmerk auf die wahren Ursachen für die Magenprobleme gerichtet werden sollte.

Beginnende Hufrehe oder Huflederhautentzündung, frühzeitig erkennbar durch fühliges Gehen auf festerem Grund sollte nicht zu Gunsten eines dogmatisch bedingten Verzichts auf den Beschlag verdrängt werden. Die Erfahrung hat gezeigt, dass fast 80% der Freizeitpferde mit Magengeschwüren (trotz ausreichender Heufütterung), über keinen Hufbeschlag verfügen. Das sollte zu Überlegungen und weiteren Forschungen anregen.

Bewährte Fütterungsvorschläge

Pferd mit Magenproblemen Während die Fütterung des magenkranken Pferdes arm an stärkereichem Getreide, also Gerste, Mais, Weizen oder Dinkel (auch in Form von Müsli) sein sollte, sind rohfaser- und pektinreiche Futter (klassische Mashfütterung) vorzuziehen. Ideal wirkt sich gekochter Leinsamen aus. Auch Hafer enthält wertvolle Schleimstoffe und ist zu Unrecht als Auslöser von Magenproblemen verschrieen, wenn er von guter Qualität ist und nicht im Übermaß gefüttert wird. Die Fütterung von nicht kontaminiertem Heu und frischem Gras ist relativ problemlos für den Magen. Durch die von Natur aus hohe Belastung mit Histamin ist von Silage dringend abzuraten (biogene Amine können den Magen reizen, Sodbrennen auslösen und zu Leberproblemen führen).

Zusätze wie Aromastoffe und Konservierungsmittel unterstützen den Heilungsprozess nicht, denn jegliche Belastung der Leber heizt auch die Magenprobleme wieder an. In sehr vielen Fällen hat eine überstrapazierte Leber die Magenprobleme erst im Schlepptau. Bittere Kräuter tun nicht nur der Leber, sondern auch dem Magen gut, man denke hier an die typischen Magenbitter.

Die Fütterung von Hafer ist allen anderen Getreidesorten vorzuziehen, da Hafer von Natur aus schleimbildend und schleimhautpflegend wirkt. Allerdings muss der Hafer von hoher Qualität und frei von Schimmelpilzbelastung sein. Wirklich ausgesprochen gut tun dem Magen ausgewählte Kräutermischungen, die im Akutfall als Tee angeboten werden können. Die betroffenen Pferde benötigen Ruhe, wenig Belastung oder Störung durch Artgenossen.

Luzernefütterung hinterfragt - welchen Studien soll man Glauben schenken?

Studien haben angeblich eine magenschonende Wirkung von Luzernen bewiesen. In diesen Studien wurde die Fütterung von Luzernen nicht etwa mit der von Heu verglichen, sondern mit der Verfütterung einseitiger Süßgräser, die in unseren Breiten kein verantwortlicher Pferdehalter als Heuersatz anbieten würde. Zudem enthalten Luzerne Salicylsäure, den Wirkstoff eines bekannten Schmerzmittels und Entzündungshemmers.  Salicylsäure wirkt auf die Schleimhäute akut reizend bis gewebsschädigend. Mittlerweile gibt es Studien, die darauf hinweisen, dass Luzerne doch nicht für den Magen das allerbeste Futter darstellen, was wieder den Unterschied zwischen Studien und wirklich wissenschaftlichen Grundlagen darlegt.

Nährstoffmangel löst Magenschmerzen aus

Mittlerweile kann man feststellen, dass die betroffenen Pferde auch starke Nährstoffmängel im Bereich von Magnesium, Mangan und Selen entwickelt haben. Diese Nährstoffmängel entstehen bei einer unangepassten Mineralstoffzufuhr, bei grundlegenden Nährstoffdefiziten oder wenn der Nährstoffverbrauch den Nährstoffbedarf überschreitet, wie zum Beispiel  bei Hochleistungspferden und körperlich sehr beanspruchten Pferden. Oben genannte Nährstoffmängel können Spasmen im Bereich des Magenausgangs auslösen und so zu einer Störung des Abtransport des angedauten Speisebreies und  damit zu schmerzhaften Magengärungen führen. Der Magen kann sich nicht mehr entspannen.

Unser Fütterungsvorschlag bei Magengeschwüren beim Pferd:

Die Futterqualitäten sollten überprüft werden auf kontaminierte Bestandteile. Es sollte hochwertiges Heu gefüttert werden, aber keinesfalls Silage. Bei Leistungspferden ist der Hafer den anderen Getreidesorten vorziehen. Die Fütterung von traditionellem Mash mit Leinsamen, Weizenkleie und Hafer, Salz und Kräutern ist hochgesund und hat sich seit hunderten von Jahren bereits bei Pferden bewährt.

Kristall MashKristall Mash

Dieses hochwertige Mash basiert auf einem besonders hohen Anteil an Leinsaat, die im Magen und Darm ihre schleimbildende Eigenschaft entwickelt. Auf die den Fertigfuttermitteln typisch zueigenen Zusätzen wie Aromastoffe, Konservierungsmittel etc. wurde aus tiefster Überzeugung verzichtet.

Als besonders magenschonend (vor allem auch bei Magenentleerungsstörungen) hat sich das Kristall Mash in Kombination mit Nr. 19 Mordskerl und Nr. 5 Frühlingserwachen bewährt.

 

Nr. 11 Top Mash -reine Kräutermischung

Eine bewährte Kräutermischung, die mit kochendem Wasser aufgegossen und dem Pferd zum Trinken angeboten werden kann, im chronischen oder nicht akuten Fall einfach über das Krippenfutter gestreut wird. Gerne in Kombination mit Kristall Mash oder als Grundlage zur Zusammenstellung des eigenen Mashs aus Leinsamen, Weizenkleie und Haferflocken.

 

 

 

 

Dr. Susanne Weyrauch-Wiegand© 2012 überarbeitet 2020

Foto: Datei: #122383156 | Urheber: nata777_7

 

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